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Der Morgen · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · p. 183

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Article
Der Lehrer Jochanan ben Sakkai
Date
1934-07-01
Page
183 (sequence 2)
Language
German
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Der Lehrer Jockanan ben Sakkai Eleasar sprach: Er habe ein edles Herz. Da sagte Jochanan ben Sakkai zu seinen Jüngern: Den Ausspruch Eleasars heiße ich den besten von allen, denn in seinem Wort sind eure Worte alle mit-* enthalten. * Einstmals ging Jochanan ben Sakkai durch die Straßen Jerusalems, und seine Jünger wandelten hinter ihm her. Da sahen sie ein Mädchen, das Körner suchte unter den Hufen der Zugtiere der Araber. Rabban Jochanan sprach: Tochter, wer bist du? Sie sprach: Rabbi, warte nur, ich will es dir sagen. Alsbald bedeckte sie sich mit ihrem Haar und setzte sich vor ihn und sprach: Ich bin die Tochter des Nakdimon. Das war aber einer der drei reichsten Männer Jerusalems gewesen. — Da sprach er: Tochter, wo ist der Reichtum deines Vaters hin? Sie erwiderte: Wie sagen doch die Leute zu Jerusalem? „Das Salz des Geldes ist die Wohltätigkeit"; wer die nicht übt, kann es nicht erhalten. Da fragte er weiter: Und deines Schwähers Reichtum, wo ist der hin? Sie erwiderte: Der Vergeuder hat auch den vergeudet. In dieser Stunde sprach der Meister zu seinen Schülern: Beim heiligen Dienst! Ich habe ihre Eheurkunde mitunterzeichnet, und die lautete auf viele Tajisende von Golddinaren tyrischer Münze. Der Vater dieses Weibes betrat nicht eher das Lehrhaus, als bis die Straße dorthin mit Seidenteppichen belegt worden war; und war er nur einmal darüber geschritten, so durften die Armen sie sich nehmen. All mein Leben forschte ich nach dem Sinn des Verses im Hohelied: „Weißt du es nicht, du Schönste unter den Weibern, so geh hinaus und tritt in die Fußtapfen der Schafe"; aber nun verstehe ich den Satz: die Schönste in Israel ist der Gnade des fremden Viehs überantwortet. Was tat alsdann der Gerechte? Er stieg von seinem Reittier und setzte das Weib darauf; zuvor aber ließ er sie sich waschen und zog ihr Kleider von Seide und köstlicher Leinwand an. Dann führte er sie in sein Haus und richtete ihr eine schöne Hochzeit aus; er vermählte sie mit seinem würdigsten Schüler. Als Vespasian sich anschickte, Jerusalem zu erobern, ließ er den Juden sagen: Warum treibt ihr mich dazu, die Stadt zu zerstören und den Tempel zu verbrennen? Will ich doch nur von euch, daß ihr mir einen Bogen oder einen Pfeil ausliefert, und ich werde wieder meiner Wege ziehen. Sie aber antworteten: Wie wir gegen deine zwei Vorgänger ausgezogen sind und sie umgebracht haben, also werden wir uns auch wider dich erheben und dich töten. Jochanan ben Sakkai hörte das, berief die Männer der Stadt zu- 183

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