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Der Morgen · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · p. 182

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Article
Der Lehrer Jochanan ben Sakkai
Date
1934-07-01
Page
182 (sequence 1)
Language
German
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Der Lehrer Jochanan ben Sakkai Jodianan ben Sakkai, der in der Geschichte fortlebt als der Gründer der Geistesburg Jabne und Erhalter des Judentums nach der Zerstörung des Tempels durch Titus, ist in der talmudischen Literatur Held so mancher Legende und lehrhaften Erzählung, von denen hier einige charakteristische Stücke mitgeteilt werden. Achtzig Schüler hatte der Patriarch Hillel; dreißig von ihnen waren es wert, daß der Geist Gottes auf ihnen ruhte wie über unserem Meister Mose, und dreißig, daß die Sonne auf ihr Geheiß stehen bliebe wie bei Josua bin Nun; die zwanzig übrigen waren recht und schlecht. Der größte unter ihnen war Jonathan ben Usiel, der geringste war Jochanan ben Sakkai. Als Hillel sterben sollte, versammelten sich seine Schüler bei ihm, ausgenommen Jochanan. Hillel fragte nach ihm, und man antwortete, er stehe draußen vor der Türe. Da sagte Hillel: Er trete ein, denn er ist es wert. Als Jochanan ben Sakkai vor ihm stand, sagte Hillel: Dieser, der Kleinste unter euch, wird ein Fürst der Weisheit sein und ein Ahnherr vieler Geschlechter in der Torakunde. Fünf Schüler hatte Jochanan ben Sakkai, und einem jeden von ihnen verlieh er einen Beinamen. Den Elieser ben Hyrkanos nannte er eine ausgekalkte Zisterne, die keinen Tropfen Wasser verliert, oder auch einen verpichten Krug, der den Wein bewahrt. Von Josua ben Chananja sagte er: Er ist die dreifache Schnur, die nicht leicht zerreißt. Über Josse ha-Kohen sprach er aus: Er ist der Fromme des Zeitalters. Den Simeon ben Nathanael verglich er mit einer fruchtbaren Niederung mitten in der Wüste. Den Eleasar ben Arach hieß er einen schwellenden Fluß oder eine sprudelnde Quelle. Einmal stellte er seinen Jüngern die Frage: Welches ist die rechte Art und Weise, die der Mensch zu wählen hat, um des zukünftigen Lebens teilhaftig zu werden? Elieser antwortete: Er habe ein gütiges Auge. Josua sagte: Er suche sich einen treuen Freund. Josse sprach: Neben einem freundlichen Nachbarn wohnen, den Trieb zum Guten innehaben und einem wackeren Weibe vermählt sein. Simeon sagte: Er schaue voraus, was da im Werden ist. 182

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