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Der Morgen · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · p. 181

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Article
Die Versuchung
Date
1934-07-01
Page
181 (sequence 4)
Language
German
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Die Versuchung Ein Brief, der den Schreiber ebensosehr ehrt wie — den Empfänger. Aber auf gleicher Höhe fast steht Bernays' Antwort, von der uns leider nur das (offenbar auch lückenhaft wiedergegebene) Konzept erhalten ist. Sein Kronzeuge ist . . . Saulus, der Schüler Gamaliels, und Paulus, der Apostel, der gewiß seine guten Gründe hatte, wenn er das Mysterium des Judenvolkes so lange noch erhalten wissen wollte, bis alle Heiden Christen geworden seien. Leider vermissen wir den Schluß des Briefes, der auf Bunsens englischen Plan einging und ihn — nach einer Andeutung Frankels im Vorwort — ablehnte. Der Hellene Bernays, der Jude Bernays konnte sich von deutscher Kultur nicht trennen: auch dies gehört zum Bild des Mannes. Josias von Bunsen erlebte es nicht mehr, daß seinem Freunde an der Universität Bonn die gebührende Stellung zuteil wurde. 1860 schon muß die Tochter Emilia dem tief Erschütterten die letzten Tage des Vaters schildern: „Leben Sie wohl — daß wir Ihre Teilnahme haben, weiß ich." So schließt dieser symbolhaft wichtige Briefwechsel zweier Wanderer nach dem gleichen Ziel. * Kürzlich sah ich bei einem jungen Sammler ein zierlich gedrucktes Büchlein, eine Stephanus-Ausgabe griechischer Lyriker. Auf dem ersten Blatte stand in vergilbten Federzügen: Bunsenio Bernays. Darunter aber hatte dieselbe Hand ein griechisches Motto eingeschrieben, das in freier Übertragung etwa lautet: Aus der Verschiedenheit der Elemente erst ergibt sich die reinste Harmonie. Es scheint fast, als habe Bernays mit diesen Worten das Wesen seiner Freundschaft mit dem Hause Bunsen kennzeichnen wollen. Das Juniheft, als Sonderheft .Diaspora. Sinn und Aufgabe der jüdischen Zerstreuung", enthielt u.a. folgende Beiträge: Diaspora als Aufgabe / Ignaz MaYbaum, Raum und Grenze der Diaspora / G. Landau, Die Gewalt der Geschichte / Ernst Simon, Von Palästina nach Deutschland / Ludwig Landau, Kolonialreligion? / Feuilleton: Thomas Mann, Der Knabe Henoch Im Auqustheft schreiben u.a.: Ignaz Maybaum, Die geschichtliche Aufgabe des deutschen Judentums / Alfred Wolfenstein, Von der Dichtung des luden / Elias Hurwicz, Vom Geist der jüdischen Legende / Hilde Oilenheimer, Erziehungsfürsorge / Feuilleton: Manfred Sturmann, Die Sendung des Heils 181

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