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Der Morgen · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · p. 166

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Article
Ende des Bürgertums?
Date
1934-07-01
Page
166 (sequence 6)
Language
German
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Hans Bach wachsen zeigen und werden doch ihre Herkunft aus Augenblicken der Not nicht verleugnen können. Dazu kommen die noch viel größeren Schwierigkeiten, die sich aus dem Zustand des deutschen Judentums selbst ergeben: die Nivellierung, der Schwund des Besitzes ist fast noch weiter vorgeschritten als in unserer Umwelt; zwar ist noch ein großes Maß der besten Bildung, die das Jahrhundert sich erarbeitet hat, vorhanden, aber ihre Träger verkümmern, ausgeschlossen von der Bewährung in der Umwelt, und das Judentum selbst, schwer um die Erhaltung der lebenswichtigen Bildungsgüter kämpfend, ist außerstande, als kleine Minderheit ein System der höheren wissenschaftlichen und technischen Forschung aufzubauen, wie sie einem Millionenvolk entsprechen. So sind viele gerade der besten, gemeinschaftsfähigsten Kräfte ins Ausland abgewandert — neben Elementen, die für den Aufbau einer Gemeinschaft eher eine Belastung als eine Förderung bedeutet hätten. Je mehr wir aber überzeugt sind, daß keine künftige jüdische Gemeinschaft wird darauf verzichten können, ihre Glieder im Geist der Verantwortung für eine größeres Ganzes zu erziehen und deshalb z. B. auch eines Tages Einfluß darauf zu nehmen, welchen ihrer Glieder sie eine höhere Ausbildung und damit ihre Repräsentation und künftige Führerschaft wird anvertrauen wollen, — um so größer wird die Sorge, wenn jetzt durch den Druck der Umstände Maßnahmen ergriffen werden müssen, die die an sich schon sehr geringe Geschlossenheit des deutschen Judentums noch weiter beeinträchtigen müssen. Denn so gefährlich die bisherige Berufsschichtung auch war, sie hielt doch größere jüdische Massen in ähnlicher Tätigkeit zusammen und begünstigte damit die Entstehung eines gemeinschaftlichen Geistes. Mit einer „normalen" Berufsgliederung würden aber innerhalb des Judentums alle drängenden Fragen und Gegensätze der Umwelt auftreten und, im engeren Raum, zu viel größeren Reibungen führen. Eine Umschichtung ins Handwerk kann dazu, wenn eines Tages die technischindustrielle Entwicklung wieder voll bejaht wird, sich als Rückgliederung in eine immer noch wichtige, aber doch überholte Produktionsform zeigen, es sei denn, daß es sich um besondere Qualitätsarbeit handelt, die demgemäß besonders krisenempfindlich ist. Es liegt auf der Hand, daß in so schwieriger Situation alle fertigen Rezepte versagen müssen: die Bereitschaft, immer wieder umzulernen, auf endgültige „Sicherheit" und Gesichertheit zu verzichten, ist eines der wenigen Kennzeichen unseres künftigen Lebens, das immer unsicher, immer ausgesetzt sein wird. Wir können deshalb auch einem Rezept nicht zustimmen, wie es Hans Rose n f e 1 d auf den vorhergehenden Seiten entwickelt mit dem Rat, einen adligen Typ deutschen Judentums heranzubilden; denn seine Wertmaßstäbe orientieren sich an der Erhaltung der europäischen Kultur, die uns wichtig, aber gegenüber der Erhaltung des 166

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