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Der Morgen · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · p. 164

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Article
Ende des Bürgertums?
Date
1934-07-01
Page
164 (sequence 4)
Language
German
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Hans Bach gewissen Akzentverlagerung und damit auch soziologisch verschiedenen Gruppen). Die theoretische Fundierung, die diese zunächst rein willensmäßige Wertsetzung gefunden hat, etwa in dem Berliner Staatsrechtslehrer Schmitt, kritisiert am Typ des Bürgers die Unfähigkeit zu endgültiger Entscheidung, die Neigung zum Kompromiß, zum Geltenlassen auch des Gegners statt klarer Setzung von Freund und Feind und begründet ihre Bevorzugung des Soldaten mit dem „extremen Fall" des Krieges, in dem der Staat das Opfer des Lebens vom Individuum verlangt. Es fragt sich jedoch, ob diese Entgegensetzung typologisch — die historische Ausprägung des Bürgerlichen ist, wie wir sahen, denkbar verschieden — echt oder ob nicht vielmehr der Soldat eine der Funktionen bürgerlichen Lebens selbst sei; denn der „extreme Fall" ist zwar ein außerordentlich wichtiger, aber nicht der normale innerhalb des staatlichen Lebens. Ein Richter kann ein vollwertiger Soldat sein; für sein Amt aber würde sich z. B. die schnelle Entschlußfreudigkeit des Soldaten, die eine Tugend ist, auch wenn sie einmal fehlgreift, als wenig förderlich erweisen, wenn sie statt der kritischen, objektiven Abwägung eingesetzt wird, die der Staat vom Richter verlangt. Das Beispiel bedeutet wenig, charakterisiert aber eine oft bemerkte Neigung dazu, eine Haltung einer Zielsetzung zu substituieren, während der Schluß vom einen auf das andere durchaus nicht selbstverständlich, ja oft im Ergebnis paradox genug ist. (In den Gedankengebilden der letzten Jahrzehnte ist ein solches Hinüberwechseln vom Inhaltlichen auf das Formale, vom Ethischen auf das Ästhetische häufig — und, fast noch erstaunlicher, fast nie bemerkt worden.) Wie aber Gedanken, die in sich nicht durchaus schlüssig sein mögen, instinktiv richtig der Wirklichkeit angepaßt sein können, das beweist eben diese Theorie: kaum eine andere konnte den vielen jungen Menschen, die die Krise an den Rand des bürgerlichen Lebens drängte, so sehr ihre Bedeutung im Rahmen des staatlichen Lebens, ihre Wichtigkeit für das Volksganze und damit die Möglichkeit innerer Eingliederung und Kameradschaft zeigen. Am schärfsten zeigt sich der Zwiespalt in der Beurteilung des Bürgertums am Begriff des Städtischen. Mit dem Geist der überdimensionierten und darum vielfach nicht mehr schöpferischen, sondern nur mehr sammelnden und verbrauchenden Großstadt zusammen wird städtischer Geist, und damit allerdings die wichtigste Grundlage des bürgerlichen, überhaupt abgelehnt. Zu dem Zug nach Vereinfachung der seelischen Struktur der Einzelpersönlichkeit stimmt der Überdruß an der verwirrenden Kompliziertheit städtischen Lebens. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der Städte aber eher noch zu. Und ebenso geht mit der inneren Krise der Technik eine große Vorliebe, besonders für die Mittel der Bewegungs- und Verbreitungstechnik, Hand in Hand, und es sind nicht einmal ver- 164

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