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Der Morgen · 1934-06-01 · Heft 3 (Juni 1934) · p. 138

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 3 (Juni 1934)
Article
Fremdlingschaft Jsraels [Rezension]
Date
1934-06-01
Page
138 (sequence 3)
Language
German
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Gott erfüllen. Aber das fromme Judentum, und ich mit ihm, wir glauben daran, daß es Gott gefällt, den Menschen zum Helfer an seinem Werk zu berufen." H. Hatten wir fast schon befürchtet, daß das Erscheinen einer zweiten „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" nach wenigen inhaltsreichen Jahrgängen ebenso schnell aufgehört hätte wie seinerzeit die erste Geigersche, so ist solche Befürchtung nun hinfällig. Das erste Heft des Jahrgangs 5 ist erschienen und ihm schnell ein Sonderheft „Zum 900jährigen Bestehen der Synagoge zu Worms" als Erinnerungsgabe des Vorstandes der Israelitischen Religionsgemeinde Worms gefolgt. Beide halten, bewußt oder unbewußt aus der Erregtheit des heute Schreibenden kommend, eine Linie. Was wir da als Geschichte lesen oder gedeutet bekommen, ist — traurig oder tröstend und verheißungsvoll — unser Schicksal und unsere Aufgabe. Das gilt vorneweg für die bedeutende Arbeit von Siegfried Ucko, die den neuen Jahrgang eröffnet. Ucko durchforschte als erster systematisch die Akten und Protokolle des „Vereins für Kultur und Wissenschaft der Juden", der im Jahre 1819 von einem Kreis junger studierter Juden gegründet wurde und von dem man allgemein weiß, daß er den Anfang der modernen Wissenschaft des Judentums bedeutet Ucko kommt es weniger darauf an, die Wirksamkeit des Vereins im einzelnen zu schildern (wenn auch hier Vieles und Neues geboten wird), als vielmehr in der Aufdeckung der Motive die Problematik jener frühen emanzipierten Generation und ihrer Situation zu zeigen. Ich habe den Aufsatz unter dem Gesichtspunkt gelesen, daß da junge Juden bester allgemeiner Bildung aus Sorge um das Judentum versuchen, für eine notwendige Bildungsarbeit an Juden das spezifisch Jüdische festzulegen. Die Aufsätze von Ismar Freund über die deutsche Judenfrage vor hundert Jahren; von Arno Kapp über die Leipziger Meßjuden, die um ihre Gleichberechtigung kämpfen; von Hans Lichtenstein über die schnelle Wiederaufnahme der Juden in die brandenburgischen Städte nach dem Schwarzen Tode, — sie alle und was sonst das Heft noch enthält, verdienen aus gleichem Grunde Empfehlung an alle und weitestes Interesse. Sinnfällige und 1-ehrhaft-m ahnend e Aktualität spricht in demselben Maße aus den Beiträgen des Sonderheftes. Die Geleitworte des Vorstandes der Wormser Gemeinde und Leo Baecks schlagen das Thema an, das die Mitarbeiter in ihren Aufsätzen ausführen. Die Geschichte der Einzelgemeinde wird, wie Dienemann hervorhebt, zum Spiegel der Gesamtgeschichte. Historische Eigenart, aus Bestimmung und Schicksal geformt, wiederholt sich, wie Max Freudenthal zeigt, durch alle Zeit. Bei beschränktem Raum kann nur aufgeführt werden, daß mit ihnen Richard Krautheimer, Guido Kisch, Adolf Kober, Ismar Elbogen, Moritz Stern, Isaak Holzer, I. Kiefer, S. Levi, B. Rosenthal und Paul Lazarus das Thema Worms aus archäologischem, juristischem, Staats-, kunst-, kultur- und gemeindegeschichtlichen Aspekt betrachten. F. B-er. 138

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