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Der Morgen · 1934-06-01 · Heft 3 (Juni 1934) · p. 134

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 3 (Juni 1934)
Article
Der Garten des Sergeanten Dardar
Date
1934-06-01
Page
134 (sequence 2)
Language
German
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M. Y. Ben-Gavriel plötzlich mein Esel auf. Dieser Schrei in Verbindung mit dem Strick, der neben mir lag, erweckte einen grotesken Gedanken in mir." Er zündete sich wieder umständlich eine Zigarette an: „Weißt du, Bruder, was mir da einfiel? Der Esel, kam mir ein Gedanke, der Esel dort unten muß meinen Rückzug decken. Ohne weiter zu überlegen, klemmte ich vier Pistolen, jede mit acht Schuß geladen, unverrückbar fest zwischen Steinblöcken ein, eine neben der andern. Dann befestigte ich an jedem Abzugshahn einen Strick. Es war keine angenehme Arbeit: ich mußte vorher das glatte Metall aufrauhen, damit die Schnur einen Halt hatte, nebenher mußte ich alle paar Minuten einen Schuß abgeben, — aber schließlich war ich so weit. Ich hielt vier lange Schnüre in der Hand, mit denen man, wo immer man stand, die Pistolen abfeuern konnte. Die Räuber verschwendeten inzwischen reichlich Munition, wobei sie sich aber ersichtlich bemühten, die Schafe, die sie anscheinend schon als ihr Eigentum ansahen, nicht zu treffen. Ich ließ sie schießen und kletterte, in der Rechten die fünfte Pistole, in der Linken die Schnüre, vorsichtig hinunter. Natürlich gab ich noch immer gelegentlich ein paar Schüsse ab, damit die drei unten nicht mißtrauisch würden. Bei dem Esel angekommen, begann ich in fieberhafter Eile Disteln abzuschneiden, die ich in gerader Linie zum Tal hinab ausstreute, worauf ich die übrigens ungleich langen Schnüre dem Tier um die Hinterbeine band. Dann lockte ich es mit einer Handvoll Disteln aus seiner mißtrauischen Reserve heraus, es machte einen Sprang, die kürzeste Schnur spannte sich und — Allah akbar! — schon ging oben ein Schuß los. Nie in meinem Leben bin ich derart schnell einen Berghang hinabgerannt wie in diesem Augenblick. Der Esel hinter mir fraß und schoß brav in die Luft, die Beduinen antworteten wie verrückt und ich lief in den dämmernden Abend hinein. Ich hatte Glück. Nach kurzer Zeit rannte ich ein paar Beduinen an, die die Schüsse herbeigelockt hatten. Es waren Leute, die bei uns im Dorf gearbeitet hatten, Freunde sozusagen. Sie hatten zwei Gewehre mit sich, „gefunden", ya habibi, sagten sie treuherzig, als könne man im Wüstengebirge so ohne weiteres funkelnagelneue englische Militärgewehre finden. Mit diesen Leuten machte ich ein Umgehungsmanöver, so daß wir den Räubern, die noch immer den Esel mit den Pistolen belagerten, in den Rücken kamen. Als sie uns plötzlich schießend hinter sich auftauchen sahen, dachten sie vermutlich an Geister und verschwanden mit großer Schnelligkeit. Damit aber war die Angelegenheit noch nicht erledigt; in diesem Augenblick ging nämlich oben die Eselschießerei wieder los. Ein paar Schüsse und dann jämmerliches Schafgeschrei. 134

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