Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1934)
- Article
- Grenzen der Erkenntnis? [Rezension]
- Date
- 1934-05-01
- Page
- 89 (sequence 2)
- Language
- German
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die Art, wie Metzger zeigt, daß der heutige Mensch in seiner Suche nach Wahrheit sich nicht mehr „johanneisch geborgen" fühlt, seine Seele nicht mehr als Gottes Ebenbild weiß, dem der Zugang zur göttlichen Wahrheit offensteht, und daß er daher der durch keinerlei Einheit gebändigten Vielheit der Dinge, die über ihn hereinbricht, preisgegeben ist. Obwohl diese kritische Darstellung der Lage des zeitgenössischen Menschen den größten Teil des Buches füllt, ist sie für den Verfasser doch nur Mittel zum Zweck. Das Ziel ist der Kampf um die Wiedergewinnung des Subjektes und um die Erneuerung des Idealismus. Er glaubt freilich nicht, daß wir den Relativismus einfach abschütteln könnten. Wir können, glaubt er, nicht zum naiven Glauben an die Einheit zurückkehren, der galt, ehe der Positivismus ihn erschütterte. Die Geschichte läßt sich nicht ungeschehen machen. Das Erbe der Antike, der Glaube an den Logos in der Welt und im Menschen, der sich dem Denken offenbart, ist dauernd verloren. Dem Idealismus, der heute sich erneuerte, wäre Gott doch nur der „verborgene Gott". An die Lehre vom verborgenen Gott, wie sie Cusanus entwickelt hat, knüpft Metzger an, um den Weg zu einer Erneuerung des Idealismus in der heutigen Zeitlage aufzuzeigen. Wohl ist Gott verborgener Gott, aber die Seele weiß sich als sein Ebenbild, das, sich selbst verwirklichend, sich (bei Cusanus: erkennend) zum Einen Sein in Beziehung setzt. „Indem sich das Subjekt in diese Beziehung stellt, sich der Vernunft unterwirft, ist es auf dem Wege zu seinem Selbst. Es überwindet seine Endlichkeit. Auf dem Grunde der Verborgenheit der Gottheit, d. h. der Einsicht in die Inproportionalität dessen, was wahrhaft ist, und der Vielheit, Andersheit, des Nichtseins, steigt die menschliche Seele zu ihrer unvergleichlichen Bedeutung auf, als die einzige Stelle inmitten des Nichtseins, der Endlichkeit, in der Sein antreffbar ist." So ist das Sein des Menschen der absolute Halt. Alles Geschaffene ist auf den Menschen zentriert. Vor ihm tut sich der grenzenlose Weg — sein Weg — auf, an dessen nicht in Wirklichkeit, nur der Idee nach zu begreifender Grenze das AH steht, das alle Objektivität überschreitende, wenngleich sie erst ermöglichende Übersinnliche. In dem Ganzen der durchlebten Gestalten, nicht in einer einzelnen Gestalt, offenbart sich das verborgene Sein. Von hier aus gewinnt nun auch das Sinnliche seinen Sinn wieder, und die Welt ist uns wiedergegeben, obwohl der Verfall des Subjektes an die Tatsachen aufgehoben ist. Dem „Subjekte, das, inmitten der Sachen, von ihnen betroffen und auf sie handelnd und leidend gerichtet, aber hinausschreitend über sie als Transzendenz sich versteht", ist der Weg zum Einen wieder offen. Wohl ist alles menschliche Tun endlich und relativ, aber indem wir das Endliche als möglichen Durchbruchspunkt des Unendlichen wissen, nehmen wir den Weg des Geistes zum Unendlichen hin auf uns, des Geistes, der, immer wieder unterliegend, immer wieder triumphiert. Der Tod selbst ist, 89