Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1934)
- Article
- Grenzen der Erkenntnis? [Rezension]
- Date
- 1934-05-01
- Page
- 88 (sequence 1)
- Language
- German
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Grenzen der Erkenntnis? Arnold Metzger, Phänomenologie und Metaphysik. Verlag Max Niemeyer, Halle 1933. Wenn wir nach den Gründen der Ohnmacht des Geistes in der heutigen Weltlage fragen, nach den Wurzeln der Tatsache, daß die Geistigen selbst den Glauben an die Kraft des Geistes, die Welt umzugestalten, verloren haben, so stoßen wir auf den Relativismus als den Ausdruck dafür, daß die Selbstgewißheit des Geistes verfallen ist und das Subjekt sich daher nicht mehr als den Kraftmittelpunkt der Welt fühlt. Von hier aus verstehen wir es, daß der Geist selbst die geistfeindlichen Mächte, Instinkt und Trieb, auf den Schild erhoben und vor ihnen kapituliert hat. Es ist das große Verdienst des vorliegenden ausgezeichneten Buches, das Problem des Relativismus in seinem ganzen Umfange aufgerollt und die relativistische Denkart auch dort aufgespürt zu haben, wo viele die Wendung zu einer neuen Metaphysik beginnen lassen wollten: im Neukantianismus, in Diltheys Philosophie, in der Phänomenologie. Sie aile sind in den Augen Metzgers Abarten des Relativismus, gekennzeichnet durch die Entleerung des Subjektes, durch die Verlegung des Schwerpunktes von der Seele, die einst Träger der ewigen Wahrheit war, in das Viele und Mannigfaltige, in die Tatsachen. Es kann hier nicht im einzelnen verfolgt werden, wie Metzger die genannten philosophischen Systeme zu demaskieren unternimmt. Am überraschendsten ist wohl in dieser Hinsicht die Kritik der Phänomenologie als einer Abart des Positivismus. Der Verfasser, der selbst aus Husserls Schule hervorgegangen ist, sieht in der Phänomenologie den tiefsten Ausdruck des Relativismus und der Verzweiflung des Geistes an sich selbst. Die Darstellung der Phänomenologie unter diesem Gesichtspunkte gehört zu den besten Partien des Buches. Metzger sieht die relativistische Tendenz der Phänomenologie darin, daß sie in der berühmten „Wendung zu den Sachen", in dem Ansatz der Gegenständlichkeit der Wahrheit und ihrer Wahrnehmbarkeit sich die Wahrheiten von außen geben läßt, ja, daß die Phänomenologie selbst, da die Wahrheit nach ihrer Lehre in der kategorialen Anschauung erfaßt wird, für sich den „wahren" Positivismus in Anspruch nehme. In solchen Wendungen, mit denen sich die Phänomenologie vom Zeitbewußtsein ihre Rechtfertigung erbat, verrät sich eben, daß das Subjekt hier, wie im Positivismus, nur mehr als Leerpunkt, als bloßer Beziehungspunkt verstanden wird und nicht mehr als Pfeiler der Welt. Die Phänomenologie gibt sich mit der kategorialen Anschauung der draußen sichtbaren Wahrheiten zufrieden. Über dieses Schattenreich idealer Geltungseinheiten, der Wahrheiten, kommt sie nicht hinaus. Es geht ihr nicht um die Wirklichkeit, weder des Subjektes noch des Objektes, denn auch das letztere in seinem harten Wirklichsein liegt jenseits ihres Zugriffes. Hier können, wie gesagt, nur Andeutungen gegeben werden über 88