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Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Grenzen der Erkenntnis? [Rezension]
Date
1934-05-01
Page
90 (sequence 3)
Language
German
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mit Feuerbach zu sprechen, der Tod des Todes, weil er, Endliches endend, Unendliches aufleuchten läßt. Aber wenn Metzger sich so des Cusanus Lehre von der Seele als dem „Samen Gottes" zu eigen macht, ist doch ein wesentlicher Unterschied festzustellen: für Cusanus ist die Beziehung der Seele zum Einen Sein durch die Erkenntnis festgelegt- Ihm ist die Mathematik das vortrefflichste Mittel zum Erfassen göttlicher Wahrheit. Der Mensch kann den verborgenen Gott erkennen, nämlich mehr und mehr erkennen. Dieser Weg erscheint Metzger heute verschlossen. Er übernimmt vom Positivismus die These, daß das Reale dem Denken transzendent ist. Bei Cusanus war es das Erkennen als Geschichte des Erkennens, das zum Einen hinaufführte; hier aber ist es das geschichtliche Geschehen, die Tat als Geschichte der Tat. So wird die „johanneische" Linie der Offenbarung des verborgenen Gottes auf dem Wege der Erkenntnis fortgeführt und gebrochen zugleich. Den Weg weisen hier Kants Primat der Ethik und Nietzsche, den Metzger in diesem Sinne als Fortsetzer Kants sieht. Das Buch sei hier gerade als Versuch eines jüdischen Philosophen begrüßt. Denn es ist ein tief religiöses Buch. Es könnte kritisch bemerkt werden, daß Metzger die Bedeutung der christlichen Erlös u n g s lehre für die Philosophie zu überschätzen scheint. Erscheint zu meinen, die Lehre des Cusanus von der Seele sei nur auf dem Hintergrunde der Oberzeugung von der erlösten Seele möglich. Dies mag historisch richtig sein, ist aber sachlich doch fraglich. Denn auch die Seele als Ebenbüd Gottes, wie sie die jüdische Lehre sieht, hat jene unvergleichliche Bedeutung, die ihr Cusanus zuschreibt, und der Gegensatz der christlichen und der jüdischen Auffassung ist hier ohne Bedeutung. Von entscheidender Wichtigkeit ist allein die Oberzeugung von der zentralen Stellung des Menschen und seiner Tat in der Welt, die sich natürlich aus dem jüdischen Schrifttum genau so gut belegen ließe. Für die zentrale Stellung der Tat hätte sich der Verfasser auf Bubers „Drei Reden über das Judentum" berufen können. Metzger sieht wohl auch seine Lehre als jüdisch an. Doch muß, scheint mir, dies eine gesagt werden: den Gegensatz zwischen Cusanus und Nietzsche, die Entgegensetzung des Denkens und der Tat, wird das Judentum nicht mitmachen, auch wenn es in dem berühmten „Naasse wenischma" die Tat vor das Denken setzt. Denn die beiden sind uns innig verbunden. Metzger hat dem Positivismus zu viel Konzessionen gemacht. Er hat sich nirgends die Frage gestellt, ob denn nun wirklich das Denken als Weg zu Gott im Sinne des mehr und mehr Erkennens endgültig widerlegt worden sei. Er begnügte sich mit einer hermeneutischen Auslegung, wo eine systematische Auseinandersetzung der sachlichen Frage selbst am Platze gewesen wäre. Er hat, wie ich glaube, allzu schnell die skeptischen Positionen des Relativismus als gesichert angenommen. Jerusalem — Hugo Bergmann 90

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