Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1934)
- Article
- Überalterte Form des Kunstlebens
- Date
- 1934-05-01
- Page
- 79 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Überalterte Formen des Kunstlebens des Interessenten als eine Trägheit des Herzens die Initiative eines Ankaufs hemmt, kann eine solche Fühlung nur von gegenseitigem Vorteil sein. Hier sei auch das monat- bzw. halbjahrweise Ausleihen von Bildern als eine in seltenen Fällen schon durchgeführte neue Form des Kunstvertriebes als durchaus zeitgemäß zu häufigerer Anwendung empfohlen. — Ist das Atelier des Malers oder Bildhauers durch Lage usw. allzu ungeeignet, so bliebe immer noch der Ausweg, in einer dafür geeigneten Privatwohnung die Ausstellung zu veranstalten, damit aus dem üblichen „kalt staunenden Besuch" eine sinnvolle, persönlich gestaltete Feier werden kann. In beiden Fällen wäre die Verbindung mit zeitgenössischer Hausmusik, Vorlesen unveröffentlichter Dichtungen, jedenfalls eine mit größerer Konsequenz als bisher gepflegte Verschwisterung der einzelnen Künste einer der Wege, die gegenwärtige Starrkrampfsituation im Kunstleben zu überwinden. Allen diesen Vorschlägen liegt die Überzeugung zugrunde, daß alles, was innerhalb der Formen unseres Kunstlebens zu unbeweglich geblieben ist, reif ist, durch andere Formen ersetzt zu werden, die dem Aktivitätsbedürfnis des Menschen von heute mehr Rechnung tragen. Vom Künstler erwarten wir, daß er seine naturgegebene Erzieherrolle zu sinngemäßer Auswirkung bringe, von den Veranstaltern künstlerischer Darbietungen jeden Gebietes, daß es ihnen nicht genüge, Kunstwerk und Publikum blindlings aufeinander loszulassen. Und es dürfte kaum noch nötig sein, besonders hervorzuheben, daß diese von uns geforderte allgemeine Auflockerung, dieses Näherrücken des Kunstwerks an den Aufnehmenden, dieses Schaffen der ^Möglichkeit, sich durch Gespräch und freie Wechselrede im Augenblick Klarheit über Gesehenes und Gehörtes zu verschaffen, gerade der Form des jüdischen Geistes besonders entspricht und entgegenkommt. Margot Rieß. Im Aprilheft schrieben u.a.: B. Weinryb, Deuisch-jüdische Wanderungen im 19. Jahrhundert / Margarete Susman, Stifters „Abdias" / Ludwig Feuchrwanger, Franz Oppenheimers Werk / Max Wiener, Religion und Volkssiite. Das Maiheft erscheint als Sondernummer: Diaspora, Sinn und Aufgabe der jüd. Zerstreuung mit Beiträgen von Dr. Emst Simon, Rabbiner Dr. Ignaz Maybaum, Dr. Ludwig Landau - Frankfurt (Oder), Grigori Landau. Das Feuilleton bringt u.a. Thomas Mann, Der Knabe Henoch. 79