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Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Der Garten des Sergeanten Dardar
Date
1934-05-01
Page
69 (sequence 5)
Language
German
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Der Garten des Sergeanten Dardar Die Beduinen aber — landfremde Transjordanier vom Stamm der Beni sachr —, die zwei Wochen vorher drei Meilen hinter Tel-nahasch ihr Lager aufgeschlagen hatten, fanden am Morgen das blutige Hemd und die Schuhe des Ermordeten vor dem Zelt ihres Scheichs: ein Bluträcher zeigt dem Stamm an, daß Gum herrscht, Blutrache, die kein Leben und kein Tod aus der Welt schaffen kann, ehe sie nicht vollendet ist Als Fellachen aus der Umgebung ihnen dann mitteilten, daß sie den „Tiger" erschossen hätten und daß En nimr, der „Falke", sein Bluträcher sei, stellten sie dreifache Wachen um ihr Lager und sandten Unterhändler nach Tel-nahasch hinab. Sie seien bereit, Blutgeld in jeder Höhe für Esch schahin, den Scheich der Juden, zu zahlen. Nissan lehnte wortlos ab, wie er es abgelehnt hatte, die Polizei von dem Mord zu verständigen. Er saß neben seinem Bett auf der Erde, wie es die Tradition dem Trauernden vorschreibt, nachdem er sich sein Hemd zum Zeichen der Trauer zerrissen hatte, und rezitierte unaufhörlich den einzigen Psalm, den er auswendig wußte. Als es aber Abend wurde, sattelte er sein Pferd. Die Kameraden baten ihn, zu bleiben. Es sei heute nicht notwendig zu wachen, kein Beduine werde wagen, sich dem Dorf zu nähern. „Der Hund geht zum Haus, wenn das Haus nicht zum Hund kommt", antwortete Nissan, nahm sein Gewehr und ging. Um Mitternacht sah man Feuerschein aus der Richtung des Beduinenlagers und hörte Schüsse. Bald danach kam Nissan zurück und berichtete, er habe das Lager angezündet und zwei der Mörder erschossen. Die Sache sei mithin erledigt. Um den Kameraden! aber keine Schwierigkeiten mit der Regierung zu bereiten, werde er, so schwer es ihm falle, Tel-nahasch verlassen. Dabei blieb er, und die Leute der Kwuzah trauerten nicht nur um den erschossenen Baruch, sondern auch um Nissan, der sie eine Stunde später verließ. Die Beduinen aber waren zur gleichen Zeit über den Jordan geflohen, ohne an Blutrache für den zweiten der von Nissan Erschossenen zu denken, denn der Name En nimr saß ihnen wie ein Stachel im Nacken. Zwange Zeit nachher, es war etwa ein Jahr nach den großen Kämpfen des August Neunundzwanzig, hatte ich in Afule zu tun. Ich sollte einen Mann, der von den Vermessungsarbeiten in der Wüste zum Schiff nach Haifa fahren wollte, gelegentlich seiner Durchfahrt in Afule sprechen. Es war einer jener unendlich deprimierenden Tage in der Regenzeit des Landes, da ich in einer der Häuserimitationen saß, aus denen diese erste moderne Ruinenstadt besteht, und fluchend und vor Kälte zitternd in die von Regenschleiern zugedeckte Kotmasse hinausstarrte, die sich die Haupt- 69

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