Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1934)
- Article
- Der Garten des Sergeanten Dardar
- Date
- 1934-05-01
- Page
- 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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M. Y. Ben-Gavriel ein nicht gerade sehr begeistertes „Nun ja" hervor. Mehr war aus ihm nicht herauszubringen, aber die ganze Kwuzah wußte, was der Grund seiner Unzufriedenheit war. Einmal nämlich hatte er, als er mit einem amerikanischen Touristen eine dienstfreie Nacht durchzechte, die Sache etwa folgendermaßen in Worte gefaßt: „Kein König in Palästina, kein Tempel in Jerusalem und jeder Tag wie der vorhergehende und wie der folgende, und über die Patronen muß Buch geführt werden — verfluchte Schweinerei, wozu das Leben?" Dann rannte er auf die Tenne und tanzte einen wütenden Tanz im Mondlicht, bis er der Länge nach besinnungslos hinfiel. Die Kameraden von Tel-nahasch lachten über ihn mit jenem Lachen der Freundschaft, das niemals weh tut; aber Nissan, der den Bruder besser kannte als irgendeiner, wußte, daß über kurz oder lang in Baruch ein Gedanke und ein Entschluß reifen werde. Bei ihren nächtlichen Ritten begann Baruch Andeutungen zu machen, wie schwer ein Abschied von den Kameraden sein müßte. Aber der Gedanke kam nicht zur Reife, denn in einer dieser Nächte fiel das große Unglück über sie, das Gedanken und Entschluß mit letzter Unwiderruflichkeit abschnitt. Sie waren zum viertenmal um die Felder geritten, als sie hinter den Bananen eine Bewegung wahrzunehmen glaubten. Baruch hielt sein Pferd an, doch Nissan meinte, daß es der Wind sei, der in den breiten Blättern der Bananen rausche. Baruch aber gab sich nicht zufrieden, trieb sein Pferd an und stieß den fragenden Ruf der Wächter aus. Als Antwort kam hinter den Bananen ein Fluch hervor, dann fielen Schüsse. Sofort antworteten die Brüder mit ihren Flinten. Schießend trieben sie ihre Pferde vor, übersahen aber, daß sie eine Lichtfurt des Mondes durchquerten; ehe sie ihr Ende erreicht hatten, stieß Baruch plötzlich einen Pfiff aus und glitt langsam vom Pferd, das augenblicklich stehen blieb. Hinter den Bananen raste ein Rudel Reiter fort. Nissan starrte auf den Bruder, der bewegungslos zwischen den Beinen des Pferdes lag. Dann aber stieß er ein Gebrüll aus, daß die durch die Schüsse aufgescheuchten Kameraden glaubten, fer sei irrsinnig geworden. Nissan wußte, ohne sich vom Pferd zu beugen, daß der Bruder tot war. Als die Kameraden herankamen, stieg er ab. Er ließ keinen heran. Auf seiner Schulter trug er den toten Bruder in die Eßbaracke. Hier wusch er die Leiche, nahm das blutige Hemd des Erschossenen und dessen Schuhe und verschwand. Er kehrte nach Sonnenaufgang zurück und begrub den Toten am Abhang des Schlangenberges, der dem Dorf den Namen gab. 68