Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1934)
- Article
- Der Garten des Sergeanten Dardar
- Date
- 1934-05-01
- Page
- 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Garten des Sergeanten Dardar in besonders ekstatischen Augenblicken, sich hinwerfen und sie küssen ließ, aber daß man Erde auch anders als mit dem Gewehr erobern könne, ging ihnen, besonders Baruch, nie ganz ein. Wenn die Sonne unterging, nahmen sie das Gewehr, sprangen auf ihre Pferde und rasten, jeden Abend mit dem gleichen verrückt wilden Lied auf den Lippen, aus dem Ort hinaus. Unermüdlich umkreisten sie, Wächter dieses jüdischen Bodens, bis zum Sonnenaufgang die Felder der Kwuzah, aber wenn es dann und wann vorkam, daß Baruch auf verdächtige Gestalten schießen wollte, schlug ihm Nissan immer noch zur rechten Zeit die Waffe herab, denn er hatte verstanden, daß die übergroße Mehrheit der Brüder, die unten in den Zelten und Baracken schliefen, den Frieden wollte und nicht den Krieg. Baruch hingegen blieb der Räuber aus dem Gebirge, der wohl die Feldarbeiter zu schützen bereit war, aber den tieferen Sinn dieser grenzenlos langweiligen seßhaften Beschäftigung nicht einsehen konnte. Wenn es nun auch nur ein einziges Mal — in einer Nacht voll schweren Regens — zu einer Schießerei mit marodierenden Beduinen kam, bei der übrigens kein Blut floß, so begannen die Brüder dennoch in den Lagern und Dörfern der Araber im weiten Umkreis bekannt und berühmt zu werden. Einmal nämlich, als an einem Festtag sich ein paar tausend Araber am Grab eines ihrer Heiligen versammelten, erschienen plötzlich die beiden Wächter von Tel-nahasch, zu Pferd natürlich und von oben bis unten mit Waffen behängt, und ritten die Fantasia zu Ehren des Heiligen mit. Sie ritten alle Beduinen — von den Fellachen ganz zu schweigen — in Grund und Boden, und als dann mit steigender Hochachtung sich die andern im Kreis um sie ordneten, begannen sie Reiterkunststucke vorzuführen und vom Sattel aus Vögel aus der Luft herabzuschießen, daß den Arabern der Atem stehen blieb. Von diesem Tag an nannten die Araber Nissan En nimr, den Tiger, und Baruch Esch schahin, den Falken, und setzten bei beiden als Nachnamen hinzu: schech al yahud, Scheich der Juden. Der Kwuzah kam natürlich die steigende Popularität der Brüder zugute, da die Räuber die vom „Tiger" und vom „Falken" bewachten Felder zu meiden begannen. Hatten die Araber aber Streitigkeiten untereinander, dann kam es immer wieder vor, daß einer der Brüder als Schiedsrichter angerufen wurde. Allmählich verbreitete sich ihr Name derart, daß sie sogar bis ins nördliche Galil oder ins östliche Jordanland als Schiedsrichter oder als Ehrengäste zu irgendeiner Fantasia eingeladen wurden. Darüber vergingen ein paar Jahre. Wenn man Nissan fragte, ob es ihm gut ginge, antwortete er mit einem vorbehaltlosen Ja. Baruch hingegen dachte eine Weile nach, schüttelte den Kopf von rechts nach links und von links nach rechts und stieß dann 67