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Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Der Garten des Sergeanten Dardar
Date
1934-05-01
Page
66 (sequence 2)
Language
German
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M. Y. Ben-Gavriel und geschossen hätten sie, um den König zu begrüßen. Jawohl, um den König zu begrüßen! Die Leute blickten einander an, schüttelten den Kopf, und einer, anscheinend ihr Führer, erkundigte sich in russischer Sprache — es war schnell allen klar, daß die beiden am Ende ihrer hebräisch-arabischen Sprachkenntnisse angekommen waren — welchen König zu begrüßen sie die Absicht hätten. Jetzt kam das Erstaunen an die beiden Brüder. „Den jüdischen König über Palästina", sagte Nissan, und Baruch setzte fort: „Den König aus dem Haus Davids." Man führte sie lachend in das große Eßzelt hinunter und stellte einen riesigen Topf mit Bohnen vor sie, da sie sehr verhungert aussahen; aber keiner der Brüder wollte zugreifen, ehe nicht die Königsfrage geklärt wäre. Es dauerte ziemlich lange, bis die Burschen und Mädchen, die um sie herumsaßen, ihnen begreiflich machen konnten, daß es keinen jüdischen König gebe, daß die Engländer im Land säßen und daß die Juden eben erst wieder begännen, das Land zu bebauen. Nissan gab schließlich resigniert zu, daß es vielleicht wirklich notwendig sei, vor allem das Land zu bebauen und dann erst einen König einzusetzen, Baruch hingegen blieb schweigsam, denn er war ja nicht hierher gekommen, um Land zu bebauen, sondern um jüdischer Soldat bei einem jüdischen König zu sein. Nach einer Nacht, die mit Erzählungen und Gesprächen bis an den Rand gefüllt war, einigten sich die Brüder, in Tel-nahasch (so hieß der Ort, eine der Kwuzoth, der jüdischen Landarbeitergenossenschaften Palästinas) zu bleiben, und als sie dann mit ihren Gewehren zwei Adler aus der Luft herunterholten, übertrug man ihnen das Amt der Schomrim, das Wächteramt. Sie nahmen zur Kenntnis, daß sie nur dann schießen dürften, wenn sie angegriffen würden, daß es sich hier um durchaus friedliche Landnahme handle und daß als Feind nur die Heuschrecke, die Feldmaus, die schwarze kleine Schlange, Typhus und Wasserlosigkeit zu betrachten seien. Baruch starrte die Leute, die ihnen das sagten, entgeistert an und war nahe daran, den Platz wieder zu verlassen, um kriegerischere Juden zu suchen, aber Nissan stieß ihm den Gewehrkolben in die Kniekehle und erklärte ihr Einverständnis. Nach kurzer Zeit hatten sie sich den Leuten von Tel-nahasch auch innerlich derart genähert, daß sie nun auch formell als vollberechtigte Mitglieder in die Genossenschaft aufgenommen wurden. Sie lernten schnell Hebräisch und das Arabisch der benachbarten Beduinen und freuten sich immer wieder, daß sie weder mit dem Traktor noch mit dem Kuhstall oder den Hühnern etwas zu tun hatten. Sie liebten zwar diese gelbe Erde Palästinas mit jener überschwänglich barbarischen Liebe, die sie mitunter, 66

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