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Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Erneuerung der Bibelwissenschaft
Date
1934-05-01
Page
56 (sequence 4)
Language
German
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Ludwig Feuchtwanger spönnen oder daß er keine Quellen benutzt habe. Beruft sich die Tora doch einmal selbst auf eine alte Quelle. Aber es ist unmöglich, in dem einen großen Strom die Quellen und Zuflüsse zu scheiden. Es gibt in der Genesis kein Geschichtswerk „P", es gibt keinen „J" und keinen „E", wie denn die Kritik selbst oft genug zugeben muß, daß sie diese beiden nicht zu scheiden vermag. Und der „Redaktor" ist kein anderer als der Verfasser selbst. Die Genesis ist ein einheitliches Werk, in Einem Geist entworfen, durchdacht und durchgearbeitet." Die ausführliche Kritik der herrschenden Quellenscheidung soll diese These von der Einheitlichkeit der 50 Kapitel stützen. Es sei schon hier — ohne eine wissenschaftliche Begründung, die in diesen Blättern fehl am Platze wäre — ausgesprochen, daß die Jacobs che Kritik die Grundergebnisse der historisch-philologischen Bibelwissenschaft der Neueren, besonders deren Auffassung über Entstehung und Zusammensetzung des Fünfbuchs nicht zu widerlegen geeignet ist. Gewiß: die Kapitel 1—50 des Buches „Im Anfang" sind ein Teil des großen einheitlichen Erzählungswerkes bis zum Abschluß des 2. Buches der Könige. Einheitlichkeit der Sprache und der seelischen Haltung charakterisieren dieses großartige Werk trotz aller nachweisbaren inneren Spannungen und aller Widersprüche, den Dubletten, Anachronismen, späteren Glossen, nicht mehr verständlichen Worten und Sätzen zum Trotz. Aber gerade auf die Erklärung dieser Einheit kommt es an; sie kann doch nur darin gefunden werden, daß eben jene Einheit eine künstliche Schöpfung späterer Zeiten ist, eine geniale literarische Schöpfung, die aus der Überlieferung bestimmte Stücke auswählte, in ihrem eigenen zeitgebundenen Sinn überarbeitete und zu einem Ganzen zusammenschloß. Wie man die Zeit, der diese wahrhaft große Gestaltung angehört, näher charakterisiert, das ist wieder eine Frage für sich. Ob man sie mit der herrschenden Auffassung als eine Zeit bezeichnen kann, „in der das Leben des Volkes eingeschrumpft war zu dem gedrückten Dasein einer unter fremder politischer Herrschaft stehenden, von der Regelung staatlicher Fragen weitgehend ausgeschalteten religiösen Kultgemeinde mit engem Siedlungsraum ihrer Glieder, soweit sie nicht die Heimat mit der Fremde, der Diaspora vertauscht hatten" (Hempel, Max Weber), diese Kernfrage ist von der Frage der „Einheitlichkeit" ganz und gar zu trennen. Die Quellenscheidung selbst tritt nach der heutigen Problemstellung in den Hintergrund vor dem Problem, das Hempel scharf, wenn auch in einigen Schattierungen einseitig und konventionell, so formuliert: „Es gilt in der von der Synagoge geschaffenen sekundären Einheit, die weithin eine Verarmung darstellt, die Spuren alter Differenziertheit und alten Reichtums wiederzuentdecken, aus der Übermalung einer späteren Zeit die 56

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