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Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 55

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Erneuerung der Bibelwissenschaft
Date
1934-05-01
Page
55 (sequence 3)
Language
German
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Erneuerung der Bibelwissensckaft Zu Buber und Auerbach gesellt sich nun der mächtige Kommentar zum 1. Buch Mose von Rabbiner Benno Jacob1). Das Neue und Eigenartige dieser Bibelerklärung besteht in der liebevollen Beschäftigung mit dem Wortlaut des überlieferten Textes. Satz für Satz der fünfzig Kapitel der Genesis wird wortgetreu, im Einklang mit der darauf folgenden sprachlichen, historischen und theologischen Erklärung übersetzt. Der Kommentar zieht in erster Linie die jüdischen mittelalterlichen Ausleger heran und lehnt alle außerhalb des Textes liegenden Zielsetzungen und Voraussetzungen strikte ab. Was der Verfasser bieten will, ist ein wissenschaftlicher, unabhängiger jüdischer Kommentar, „der von unserer Gemeinschaft die Beschämung nehmen sollte, zur wissenschaftlichen Belehrung über jhr eigenstes und heiligstes Buch nur auf christliche Kommentare angewiesen zu sein, der einen neuen Weg zu dem Studium der Tora zeigen sollte". Der Kommentar von Jacob hat immer auch den ungelehrten Leser im Auge. Dies begründet der Verfasser damit: „Das erste Buch der Tora ist die Grundlegung der Geschichte Israels und seiner Religion. Beides versteht man nicht, wenn man nicht zu diesem Anfang zurückgeht. Das Judentum und das jüdische Volk verstehen sich selbst nicht, wenn sie nicht ihre Ursprünge verstehen. Der Jude hat die Pflicht, aus der Quelle zu schöpfen, d.h. seine Bibel im Urtext zu studieren. Übersetzungen und Kommentare sollen und können dazu nur helfen." Die Gesamthaltung Jacobs zur bisherigen Forschung ist aus seinen früheren Arbeiten bekannt, so neu und vertieft und vielfach auch gegen die eigenen älteren Einsichten revidiert die Einzelheiten der Exegese sich ausnehmen. Im „Morgen" waren Jacobs „Einführungen in das erste Buch Mose" veröffentlicht; sie sind die Grundlagen der Auffassungen des Kommentars geblieben. Als das größte Hindernis eines richtigen Bibelverständnisses betrachtet der Verfasser die sogenannte Quellenscheidung im Pentateuch. „Indem sie einen sinnvollen Organismus, bei dem alle Teile sich aufeinander beziehen, voreilig zerstückelt, wird sie gänzlich unfähig, die Zusammenhänge zu begreifen und die eigenartige Kompositions weise des Buches zu erfassen." Der Quellenscheidung ist in dem Werk ein besonderer umfangreicher Anhang gewidmet; darin wird Stelle für Stelle geprüft, ob sie der von der herrschenden wissenschaftlichen Lehre angenommenen Sonderquelle zuzuteilen ist. Jacob führt dazu aus: „Meine Bestreitung der Quellenhypothese will nicht behaupten, daß der Verfasser der Tora das ganze Werk rein aus sich herausge- Das erste Buch der Tora Genesis. Obersetzt und erklärt von B. Jacob. Berlin (Schocken-Verlag) 1934. 55

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