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Der Morgen · 1934-05-01 · Heft 2 (Mai 1934) · p. 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 2 (Mai 1934)
Article
Jüdischer Journalismus heute
Date
1934-05-01
Page
50 (sequence 2)
Language
German
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Arno Herzberg vorhandenen Einstellung und Lebensweise zu vereinbaren, für jeden wichtige Probleme aufwirft. Da gibt es zwei Arten jüdischer Zeitungsleser: diejenigen, die bereits in früheren Jahren, wenn auch mit Bedacht, am Samstag oder Sonntagnachmittag zur jüdischen Presse in Gestalt eines Leibblattes griffen; und die .„Märzjuden", die auf das Judentum nun erst hingewiesen wurden, eine Bindung fühlten, von der sie bisher gar nichts oder wenig gewußt hatten. Beiden Kategorien jüdischer Leser ist eins gemeinsam: sie empfinden das Bedürfnis, aus der jüdischen Zeitung über die Wirklichkeit dieses Lebens und des jüdischen Wesens unterrichtet zu werden. Sie wollen sogar mehr als das. Sie wollen in ihrer Zeitung das Echo, die Antwort des Judentums auf die Begebenheiten der Zeit finden. Da sie mit den Verhältnissen nicht fertig werden, wollen sie erfahren, ob die jüdische Presse es zu werden vermöge. Sie verlangen es ohne viel Worte von ihr. Sie wollen den Weg gewiesen haben, den Sinn des Lebens neu gewinnen oder bestätigt finden. Sie wollen den Ausdruck ihrer eigenen Gefühle und Empfindungen in ihrer Zeitung sehen. Sie wollen, mit einem Wort, sich selbst in ihr erkennen. Für den jüdischen Journalisten wurde das eine große Aufgabe. Er mußte den veränderten Bedingungen der Umwelt und des jüdischen Lebens in gleicher Weise gerecht werden. Er mußte sowohl die eine wie die andere Kategorie der Leser befriedigen, beiden etwas geben. Er muß in jedem Fall den rechten Ton finden — zur Gegenwart und zur Zukunft. Diese Umstellung auf ein, dem jüdischen Menschen wichtiges und wesentliches Orientierungsmittel, das zugleich Quelle jüdischen Lebensgefühls und jüdischen Wissensgutes ist, war schwer. Sie ging nicht ohne Reibungen vonstatten. Das Mißverhältnis zwischen der Wirklichkeit und ihrem Ausdruck in der Presse war oft zu fühlen. Es macht sich auch heute noch zuweilen bemerkbar. Manche fanden zwar sogleich ihien Standort; andere brauchten geraume Zeit dazu, um ihre Aufgaben nicht nur zu erkennen, sondern auch zu verwirklichen. Die Intensität, mit der eine jüdische Zeitung sofort zu ihren Lesern Kontakt fand, war entscheidend für die Beteiligung an der zusätzlichen Auflagenziffer, die für die jüdische Presse insgesamt durch die Hinwendung vieler Indifferenten zum Judentum herausgekommen war. Bei allem war ein Rückfall in alte Gewohnheiten nicht zu vermeiden; schlechte neue stellten sich ein. Oftmals glaubt man ja auch heute noch, daß es ein Monopol auf die Deutung der Zeit, auf Begreifen, Besinnen, Haltung und Ehrauffassung gebe. Der Ernst der wirklichen Gesamtverantwortung hat sich erst durchsetzen müssen; und manch- 50

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