Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1934)
- Article
- Jüdischer Journalismus heute
- Date
- 1934-05-01
- Page
- 49 (sequence 1)
- Language
- German
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DER MORGEN / MONATSSCHRIFT DER DEUTSCHEN JUDEN BEGRÜNDET VON PROFESSOR DR. JULIUS GOLDSTEIN, DARMSTADT 10. JAHRGANG MAI 1934 HEFT 2 Jüdischer Journalismus heute Die veränderten Daseinsbedingungen, die der 1. April 1933 für die deutsche Judenheit geschaffen hat, brachte auch für die jüdische Presse eine neue Zeit und für den jüdischen Journalismus weitreichende Aufgaben. Früher führte die jüdische Presse ein geruhsames Leben. Sie war für den Durchschnitt der deutschen Juden ebenso peripher wie jüdisches Wirken überhaupt. Sie ging von den gleichen Grundlagen aus, die für das jüdische öffentliche Leben kennzeichnend waren. Sie war einmal Ausdruck der Parteimeinung, dann auch Werbemittel dafür und Mittler ganz bestimmter Geschichts- und Lebensanschauungen, die sie mit wechselnden Arabesken dem Leser darbot. Sie war auf Polemik eingedrillt. Jüdischer Journalismus war Leitartikelei mit ihrem Für und Wider. Dem jüdischen Leser ging es nicht anders als zur damaligen Zeit dem deutschen überhaupt: er mußte mehrere Zeitungen lesen, um die „Wahrheit" der Geschehnisse im Spiegel der Meinungen zu erfassen. Daß er das nicht tat, war nur eine Folge seiner ganzen Haltung zum Jüdischen. Dann gab es noch Zeitungen und Zeitschriften, die sich neutral nannten oder von Natur aus dazu verurteilt waren, weniger Publizistik zu treiben als Bildung und Unterhaltung zu vermitteln: die Gemeindeblätter. Diese Art der jüdischen Presse lebte für die Bekanntmachungen ihrer Institutionen und für — Anzeigen. Alles das wurde grundlegend anders in einer Zeit, die die Ausschließung der Juden aus weiten deutschen Geistes¬ und Lebensbezirken mit sich brachte. Judentum ist jetzt etwas geworden, was sich der subjektiven Wahl entzieht. Es ist eine objektive Gegebenheit, die mit der tatsächlich 49