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Der Morgen · 1934-04-01 · Heft 1 (April 1934) · p. 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 1 (April 1934)
Article
Sprache und Kultur [Rezension]
Date
1934-04-01
Page
39 (sequence 2)
Language
German
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Buch aber und die hebräische Sprache des Buches blieb mit ihrer Seele verknüpft, wie nur lebendige Urkraft mit der Seele eines Volkes verknüpft sein kann. Die Ausdrucksform, in der die Sprachesich im Volke lebendig erhielt, ist für das Hebräische — entsprechend der Eigenart und Einzigartigkeit der jüdischen Entwicklung — eine andere als bei anderen Völkern; lebendig aber ist die Sprache auch während der letzten I1/2 Jahrtausende in der Seele des Juden geblieben, so lange und so weit sie mit dem Judentum verknüpft war. Vom Lehrer auf den Schüler nicht auf Entfernung, sondern in lebendiger Oberlieferung weitergegeben, war das Sich-Versenken in die hebräische Sprache religiöse Pflicht, die nicht von einzelnen freiwillig, sondern von allen erfüllt wurde. Ohne Hebräisch war es unmöglich, Jude zu sein, denn das Gesetz und die Innehaltung des Gesetzes verlangten die Kenntnis der Sprache, ebenso das vorgeschriebene Gebet. Die Sprache bleibt daher in steter organischer Verbindung mit dem Volk, so wie bei allen anderen Völkern — nur in anderer Form — und stirbt ebensowenig wie das Volk. Daher wechseln auch die Formen und Stile des Hebräischen zusammen mit der Entwicklung und Haltung des Judentums. Kehrt dieses zu seinen Quellen zurück und verjüngt sich an den Büchern der Bibel, kann es in freier Auseinandersetzung mit den Anschauungen der Umwelt und mit den die Zeit gestaltenden geistigen Kräften sich dehnen und weiten, weitet und dehnt sich mit ihm — wie in der islamisch-spanischen Periode und im 19. Jahrhundert in Rußland — das Hebräische; leben die Juden träge im Einerlei des Alltags dahin, nur die Erfordernisse des Gesetzes bedenkend, sonst aber sich dumpf abschließend, dann erschlafft auch die Ausdrucksform des Hebräischen und wird von sprachlichem Gestrüpp überwuchert. . . Die Anteilnahme am Hebräischen ist ebenso wie das Stehen zum Judentum ein Akt des Sich-Bekennens und des Wollens; die Anteilnahme am Hebräischen ist allerdings nicht leicht gemacht, denn es bedarf der Vertiefung in die Sprache und in die Literatur. . . Nur bis höchstens zum Jahre 200 hat das Hebräische als eine im täglichen Gesprochenwerden sich gestaltende Sprache gelebt, von dann ab aber nur an dem Buche der Bibel sich formend und nur in Büchern ihren Niederschlag findend. So fehlt ihm die nur beim Sprechen entstehende innere Durchrüttehmg des gesamten Stoffes zu einer organischen Masse, das Einswerden der durch Jahrhunderte getrennten Sprachschichten zu einer immer nur den Augenblick festhaltenden einheitlichen Sprachmasse. Die ungeheure Fülle des in den Jahrhunderten Hinzugefügten und Entstandenen ist sichtbar in die hebräische Sprache hineingelagert, so daß Altes und Neues nebeneinander stehen, biblischer Sprachstoff unvermittelt neben Bildungen des Maimonides und neben Neubildungen von heute. . . Die Vergangenheit ist hier Gegenwart, die Überlieferung existent und wirkend — auch darin die Entwicklung des Judentums spiegelnd." Über den „Einfluß der Bibel auf die Weltkurtur" äußert sich Dr. 39

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