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Der Morgen · 1934-04-01 · Heft 1 (April 1934) · p. 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 1 (April 1934)
Article
Sprache und Kultur [Rezension]
Date
1934-04-01
Page
40 (sequence 3)
Language
German
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Ernst Simon- Haifa im Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Nach eindringlicher Schilderung des Beziehungsverhältnisses der jüdischen Bibel zur christlichen und mohammedanischen Religion und Kultur schließt der Aufsatz mit folgendem bemerkenswertem Gedankengang: „Unsere bisherigen Darlegungen können den Eindruck erwecken, als ob sich die Bibel in einem unaufhaltsamen Siegeszuge befunden habe und noch befinde. So scheinen die drei großen Lebenssphären: das Verhältnis des Menschen zu Gott, zum Mitmenschen und das der Völker zueinander vom biblischen Geist durchatmet zu sein. Ja, sogar der innere Rhythmus, in dem unsere Welt dahinschreitet, ist durch die Einsetzung des Sabbats bestimmt: beinahe so naturgegeben, wie der Wechsel von Tag und Nacht, erscheint heute, trotz der russischen Ausnahme, der Wechsel von sechs Arbeitstagen und einem Ruhetag. Aber trotz alledem: wie schon die soeben nötig gewesenen Einschränkungen zu beinahe jedem Punkte auswiesen: der Sieg der Bibel ist sehr unvollkommen. Was ist die Ursache dieser Mißverständnisse, die oft sowohl für die Geschichte der Bibel unter den Völkern wie für die Geschichte der Juden geradezu tragische Bedeutung bekommen haben? Wir vermessen uns nicht, auf diese letzten Endes theologische Frage hier eine Antwort zu geben. Einer der Hauptgründe dürfte aber wohl darin liegen, daß die Bibel von den Völkern ohne ihren wichtigsten Kommentar gelesen wurde, ohne den gelebten Kommentar des Volkes Israel, dessen literarischer Niederschlag in der jüdischen Bibelliteratur aller Formen und Zeiten nur einen Bruchteil des hier gemeinten Gesamtschicksals ausmacht. Die jüdische Geschichte selbst erst ist die Auslegung der biblischen Wahrheit in der Zeit — oder muß es wenigstens werden. Wir selbst sind nicht ohne Schuld daran, daß unsere innerste Wesenheit als Volk der Bibel sich den Völkern der Welt nicht klarer geoffenbart hat. Aber gerade in unseren Tagen ist ein wichtiger Schritt geschehen, um, wenigstens auf einem Teilgebiet, ein Versäumnis nachzuholen: wir meinen die Bibelübersetzung von Martin Buberund Franz Rosenzweig. Es ist die erste Obersetzung der Bibel, die von im Judentum wurzelnden Menschen bewußt der nichtjüdischen Welt dargeboten wird, und schon darin von der Absicht der Septuaginta und etwa der Mendelssohns, die sich beide an Juden wandten, grundsätzlich unterschieden. Hier spricht die Bibel zu den Völkern, und sie spricht als jüdische Bibel. Deshalb mag diese Obersetzung, die wohl nicht zufällig in eine für uns, in Zusammenbruch und Aufbau, so schicksalsvolle Zeit hineinruft, Epoche bilden in der Geschichte der Bibel in der Welt." ♦ Dr. Siegfried Scheuermann. Der Kampf der Frankfurter Juden um ihre Gleidibereditigung. Aktenmäßige Darstellung einer neunjährigen Verhandlungs-Phase (1815—1824), an sich willkürlich 40

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