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Der Morgen · 1934-04-01 · Heft 1 (April 1934) · p. 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 1 (April 1934)
Article
Stifters Abdias
Date
1934-04-01
Page
34 (sequence 8)
Language
German
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Margarete Susman andere. Nun trägt er immer das Kind selbst Noch einmal sieht er bei der Abfahrt in fast greifbarer Nähe das reiche Landhaus des verhaßten Feindes aus dem Grün hervorleuchten. Aber er schaut nur darauf hin und versenkt dann wieder die Augen in die Züge seines Kindes. „Das Schiff ging nun fort und fort — und er saß und hielt das Kind in seinen Armen. So oft diejenigen, die noch mitreisten, hinblickten, sahen sie dasselbe Bild des Mannes, wie er saß und das Kind auf seinen Armen hielt." Nach langer mühseliger Wanderung durch Europa findet Abdias ein abgelegenes stilles Tal, in dem er seinem Kinde ein weißes Haus baut Als es endlich vollendet ist, geht er mit demselben rastlosen Eifer, mit dem er bisher den Bau betrieben hat, an die Entfaltung seines Kindes, das bisher nur körperlich behütet worden war. Und obwohl Abdias eigentlich nicht weiß, wie er es anfangen soll, erlauscht er in der völligen Unzertrennlichkeit von seiner kleinen Tochter alles, was ihr nottut, geht er mit einem so tiefen, erfinderischen Wissen, mit so ausdauernder Kraft und Zartheit an seine Aufgabe heran und führt sie so unermüdlich fort, daß das Ausbleiben des Erfolges, das er bald bemerkt, ihm immer unbegreiflicher werden muß. Lange weiß Abdias nicht, worin das eigentlich Abweichende in dem Wesen der Kleinen von dem anderer Kinder besteht — bis er eines Tages mit jähem Entsetzen entdeckt, daß sie blind ist Sofort ändert er sein ganzes Leben. Er, der nie von ihr gewichen war, allen Reichtum und Prunk um sie ausgebreitet hatte, wird nun, wo er mit einem Schlage begriffen hat, daß sie alles dessen nicht bedarf und daß es einzig gilt, die Zukunft des hilflosen Wesens sicherzustellen, wieder zum habgierigen, geizigen Händler, der in das Land hinauszieht und unter den Flüchen der Menschen alles für sein Kind zusammenrafft Der Haß der Menschen türmt sich bergehoch um den harten und grausamen Menschen auf. Der Knabe, der ihn liebte, ist an dem fremden Klima zugrunde gegangen. Abdias hat außer dem blinden Kinde nur einen einzigen treuen Freund: seinen Hund. Als während einer im Lande herrschenden Tollwut dieser Hund auf einem Ritt sich seltsam und aufgeregt gebärdet, mit funkelnden Augen hin und her rennt und seinen Herrn nicht weiter reiten lassen will, glaubt Abdias ihn von der Tollwut befallen und erschießt ihn — um dann, seine blutige Spur rückwärts verfolgend, zu erkennen, daß der Hund sich mit seinen letzten Kräften an eine Stelle zurückgeschleppt hat, wo sein Herr den Gürtel mit seinem Geld vergessen hatte. Der Mann stürzt verzweifelt neben dem Tier nieder, bettet es in seinen Schoß, sucht seine Wunde zu verbinden, — vergebens, das treue Tier stirbt. Abdias verfällt darauf in eine schwere Krankheit. Noch während er an ihr darnieder liegt, geschieht eines Tages das 34

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