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Der Morgen · 1934-04-01 · Heft 1 (April 1934) · p. 13

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 1 (April 1934)
Article
Franz Oppenheimers Werk
Date
1934-04-01
Page
13 (sequence 4)
Language
German
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Franz Oppenheimers Werk Dieses Kernstück der Oppenheimerschen Lehre läßt uns mitten in seine Denkmethoden hineinsehen. Der Grundgedanke seines Gedankenbaues ist von Anfang an ohne Wandlung die Unterscheidung einer reinen, herrschaft- und gewaltlosen Ökonomie (nicht notwendig gleichbedeutend mit kapital- und zinsloser Wirtschaft) und einer politischen Ökonomie, die keineswegs aus ihrem Wesensbegriff kapitalistische Zinswirtschaft sein muß. Dieses „System des liberalen Sozialismus" steht in einem scharfen Gegensatz zu dem reglementierten Sozialismus marxistischer Prägung. In dem Oppenheimerschen System ist die „ökonomische Person" der „Staatsbürger". Auf alle Staatsbürger wirken die Wirtschaftsvorgänge gleichmäßig; das Urgesetz des wirtschaftlichen Handelns, mit knappen Mitteln sinnvoll zu disponieren, gilt für alle staatsbürgerlichen Wirtschaftssubjekte gleich: es handelt sich um eine Summe technischer Regeln, die zu freien variabeln Zwecken anzuwenden sind. Es geht bei der „Reinen Theorie" um logische Abhängigkeiten von Quantitäten und Gleichgewichtslagen. Wir verstehen, daß der Vertreter eines solchen rein formalen, rationalen Prinzips sich und den anderen immer wieder vorsagt, die „historische Schule" sei zusammengebrochen. Wäre sie das, müßte man schleunigst Wiederbelebungsversuche anstellen. Denn die Dürftigkeit einer rein quantifizierenden, mechanistischen Erfassung der Wirtschaft bedeutet in Wirklichkeit nur ein Verstehen von Buchhaltungsvorgängen und Preisbewegungen. „Staat" und „Geschichte" erfahren deshalb in Oppenheimers Sehweise eine ganz merkwürdige Verzerrung, nicht bloß eine Vereinfachung und Entblutung. Auf die historisch gewordene Staatsindividualität mit ihrem einzigartigen und eigenständigen Staatsvolk wollen die soziologisch-pseudomathematischen Methoden schlecht passen. Auch die Diagnose geht deshalb fehl: „Die Tendenz der Entwicklung des Staates führt unverkennbar dazu, ihn seinem Wesen nach aufzuheben: er wird aufhören, das »entfaltete politische Mittel* zu sein und wird ,Freibürgerschafr< werden." Der Staat der Zukunft soll also die selbstgesteuerte, durch Selbstverwaltung geleitete gewaltlose „Gesellschaft" sein. Das ist Franz Oppenheimers Prognose. III. Oppenheimers Schwärmereien durchziehen, unkenntlich unter dem festen Marschtritt der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, auch das große „System der Soziologie". Dieses System will nicht mehr und nicht weniger als Schrittmacher einer vermeintlich entstehenden Universalität der Sozialwissenschaften sein. Es ist bisher noch niemandem gelungen, dem kühnen Unternehmen gerecht zu werden; auch wir haben diesen Ehr- 13

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