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Der Morgen · 1934-04-01 · Heft 1 (April 1934) · p. 12

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 1 (April 1934)
Article
Franz Oppenheimers Werk
Date
1934-04-01
Page
12 (sequence 3)
Language
German
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Ludwig Feuchtwanger bedarf zu treiben. Gerade die unentwegte geistige Energie, mit der Oppenheimer auf diese unbeirrbar festgehaltenen Ziele — ein praktisches und ein theoretisches — zuschreitet, ist das Nachhaltige seiner Gesamtleistung. Eine abgekürzte Nachzeichnung der Hauptgedankenlinien, zunächst der Siedlungs- und Genossenschaftsidee, geht kaum ohne ein schweres Unrecht an ihrem Urheber ab. Sein Ergebnis ist nämlich, mag es, für sich betrachtet, „richtig" oder „falsch" sein, nun einmal durch einen verfehlten, weil nur naturwissenschaftlich gewählten Denkansatz grundsätzlich in Frage gestellt. Denn der Wahrspruch „Nichts ist so praktisch wie die Theorie" trifft gerade auf das politische Gebiet und für die „Lösung der sozialen Frage" keineswegs zu. Oppenheimer weiß das selbst und drückt es so aus: „Der erste Akt mußte sein die Vollendung und polemische Durchsetzung meiner theoretischen Auffassung. Die er^ hoffte Anerkennung würde mir den zweiten Akt ermöglichen: den praktischen Aufbau meiner auf Grund der Theorie konstruierten Genossenschaften. Dann würde, dritter Akt, die BUdung einer mächtigen Partei zur Ausführung im Großen nicht ausbleiben. Man mußte nur Geduld haben. Freilich habe ich damals nicht gewußt, wieviel Geduld man haben müsse." Das Maß der aufzuwendenden Geduld hat Oppenheimer immer tief unterschätzt Das ist seine Größe und seine Schranke. Seine „Theorie" lautet vereinfacht: Die unbefriedigende soziale Lage der Massen ist nicht, wie Karl Marx es will, auf die Mangelhaftigkeit der gegenwärtigen Produktionsverfassung zurückzuführen, sondern ist bedingt durch die „Ausbeutung'* infolge der bestehenden Eigentumsverfassung. Gelänge es, die durch außerökonomische Gewalt, vor allem durch das Großgrundeigentum, die „Bodensperre", bewirkte Herrschaft von Menschen über Menschen abzuschaffen und statt der „politischen" Ökonomie eine „reine" Ökonomie herzustellen, dann wäre die soziale Frage gelöst. Kapitalismus ist also nach dieser Auffassung nichts anderes als ein durch das Privateigentum an Grund und Boden entstandenes Klassenmonopolverhältnis. Dadurch werde die freie Konkurrenz gehemmt. Beseitige man diese Hemmnisse, dann höre der Zustrom von Landarbeitern in die Industrie, der einen ständigen Lohndruck zur Folge habe, auf; denn der freie Boden biete den Arbeitern die Möglichkeit, ihre Bedingungen zustellen, und die Löhne müßten mindestens bis zur Einkommenshöhe des freien Kleinsiedlers steigen. Der erhöhte Lohn werde es ermöglichen, die Produktion zu steigern, die zu verteilenden Gütermassen würden wachsen und wachsen, bis die technische Grenze erreicht sei. Ais Grundlage dieser Neuordnung strebt Oppenheimer die Ansiedlung der Landarbeiter, ihre Umwandlung in Bauern an. 12

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