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Der Morgen · 1934-04-01 · Heft 1 (April 1934) · p. 11

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 1 (April 1934)
Article
Franz Oppenheimers Werk
Date
1934-04-01
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Franz Oppenheimers Werk kenntniswert seiner Lehre an, die im Nachfolgenden in der gebotenen Kürze nachgezeichnet werden soll. In zwei Selbstdarstellungen, einem vielbändigen, an die 4000 Seiten umfassenden „System der Soziologie" und in einer Unzahl von Einzelarbeiten stellt sich Weltbild und Geistesform eines großen Glückskinds zur Schau, gleichzeitig doch auch einer zur Bewunderung zwingenden tragischen Persönlichkeit, deren — vermeintlich „mathematische" — Ergebnisse am Ende doch ins Unbekannte zerfließen. Franz Oppenheimer ist kein verkanntes Genie. Er ist überall mit großem Ernst gehört worden, er konnte seine Experimente und Theorien in breitem Maßstabe an der Wirklichkeit messen. Ob es sich um seine „Neubegründung der objektiven Wertlehre", um eine Neuinterpretation von Ricardo oder Marx handelte, ob es um Praxis oder Theorie der „Siedlungsgenossenschaft" oder um die Fragen des „Großgrundeigentums" ging, — diesem starken, eigenwilligen, unbekümmerten Mann war es beschieden, ohne Hemmungen ganz herauszusagen, was er wollte. Und darüber hinaus durfte er selbst im Experiment den Beweis für seine Theorien und Thesen antreten. Ein verwöhntes Lieblingskind seiner Epoche, trotzdem mit tragischen Zügen, im hellsten Licht einer bändereichen Publizistik — hohe Auflagen, überfüllte Hörsäle! Geht man aber mit Bescheidenheit, in williger Hingabe an den Gedankenextrakt, an die Analyse dieser grundstürzenden, oft in apodiktischer Form — more geometrico — vorgetragenen Sätze, Propositionen und Konklusionen heran, so gerät man in beträchtliche Schwierigkeiten. Die reinsten Arbeiten Oppenheimers sind und bleiben die Skizze „Der Staat", 1908 in der von Martin Buber herausgegebenen Sammlung sozialpsychologischer Monographien „Die Gesellschaft" erschienen, und seine „Theorie der reinen und politischen Ökonomie" aus dem Jahr 1910. Beide Werke in den ersten Auflagen, besonders die „Theorie", nicht eingebettet und verloren als dritter Teil des „Systems der Soziologie", eines riesigen Werkes, das die letzten Endes doch unlösbare Aufgabe, eine Zusammenschau des menschlichen Gemeinschaftslebens in Vergangenheit und Gegenwart zu bieten, erfüllen will. II. Stellt man an die Spitze, daß Franz Oppenheimer der Landwirtschaft und Landarbeiterschaft unter allen Erwerbszweigen und Ständen in einer apolitischen Ordnung der Volkswirtschaft eine Vorzugsstellung einräumen will, ferner daß er von jeher der schärfste Kritiker der Marxschen Gesellschaftslehre war, so gerat man in den Verdacht, Apologie für den Tages- //

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