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Der Morgen · 1934-04-01 · Heft 1 (April 1934) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 1 (April 1934)
Article
Deutsch-jüdische Wanderungen im 19. Jahrhundert
Date
1934-04-01
Page
9 (sequence 6)
Language
German
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Deutsch-jüdische Wanderungen im 19. Jahrhundert zu, daß man die erhofften Rechte nicht bekommen hatte; die Auswanderung der Intellektuellen nahm jetzt sehr zu. Diese Auswanderung aus Deutschland hat oft, wie gesagt, zu einem starken Niedergang kleinerer Gemeinden gefährt, den, noch in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, die Binnenwanderung in die Großstädte vollendete. Aber auch schon früher, als es sich hauptsächlich um Auswanderung nach Amerika handelte, wurden dadurch viele der kleineren Gemeinden dezimiert. So wurden in Jebenhausen im Jahre 1828 440 und im Jahre 1838 537 jüdische Seelen gezählt In den nächsten Jahren aber beginnt die jüdische Bevölkerung zusammenzuschrumpfen; 1862 sind nur noch 392, 1872 133 und 1891 52 jüdische Seelen verblieben. Ähnliches wiederholt sich auch bei anderen jüdischen Gemeinden, bei Jebenhausen aber wissen wir, wohin die jüdische Bevölkerung gegangen ist: in den Jahren 1830—70 sind von dort 329 Juden ausgewandert, und zwar 316 nach Amerika, 7 nach Paris, der Rest nach anderen Orten. Über die Lage der eingewanderten deutschen Juden in Amerika berichtet der jüdische Weltreisende Benjamin: „Die zweite jüdische Einwanderung aus Europa fing im Jahre 1836 an, und steigerte sich von Jahr zu Jahr. Der Druck, der damals noch auf 'den Juden der verschiedensten Länder lastete, die erworbene Bildung, welche innen die Ungerechtigkeit der politischen und bürgerlichen Hintansetzung nur noch fühlbarer machte . . . waren Gründe genug, welche den Juden anspornten, sich eine neue Heimat zu suchen . . . Baiern, das mit seinem erst in der jüngsten Zeit aufgehobenen pharaonischen Matrikelgesetze und seinen Handelsbeschränkungen in der Reihe der intoleranten Staaten obenan stand und den Juden die Verehelichung und die bürgerliche Ansässigmachung fast unmöglich gemacht hatte, lieferte natürlich die ersten Auswanderer, sowie es seitdem das bedeutende Contingent stellte. Die ersten jüdischen Einwanderer waren arme Handwerker, die hier im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod suchten, ohne weitere Weltkenntnis als die, welche sie sich in ihren Lehr- und Wanderjahren erworben, ohne weitere Bildung als die, welche ihnen durch den deutschen Elementarunterricht geboten, ohne andere Mittel als die ärmlichen, welche ihr Felleisen oder ihr Reisekoffer verschloß ... Einige schon früher angekommene Landsleute, die in Geschäften als Kommis servirten, standen den Fremdlingen mit Rat und That bei, verschafften ihnen Waare auf Credit und riethen ihnen, mit derselben ins Land hinaus zu wedeln', d. h. hausiren zu gehen . . . Der jüdische Einwanderer mit seinem ererbten Geschäftsgeiste warf sich mit voller Lust auf diesen Betrieb . . . Der Verdienst vennehrte die Lust; in wenig Wochen waren die ersten hundert Dollars erübrigt, die Schulden wurden an die borgenden Kaufleute abgetragen, der Credit steigerte sich mit der Redlichkeit. Man machte rasche Fortschritte, schaffte sich bald Wagen und Pferde an, um das Geschäft großartiger betreiben zu können. . . . Der reiche Nachwuchs setzte die ersten Ankömmlinge in den Stand, selbständige Geschäfte zu beginnen und die später Ankommenden mit ihrem eigenen Credite zu unterstützen. Der Name des »deutschen Juden* hatte unter den amerikanischen Importeurs, Fabrikanten und Großhändlern bald einen guten Klang, Credit und Gewinn mehrten sich rasch, und in wenigen Jahren standen die als arme Handwerker Eingewanderten 9

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