Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 1 (April 1934)
- Article
- Deutsch-jüdische Wanderungen im 19. Jahrhundert
- Date
- 1934-04-01
- Page
- 10 (sequence 7)
- Language
- German
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Ludwig Feuchtwanger als geachtete und wohlhabende Kaufleute in dem neuen Vaterlande. Im Norden und Osten, Süden und Westen entstanden zahllose jüdische Firmen, viele Importeurs in New-York, Großhandlungen in Philadelphia, Baltimore, Cincinnati, St. Louis, Chicago, New-Orleans usw. und Tausende von blühenden Geschäften in anderen Städten, Städtchen und Dörfern zeugen von dem Wohlstande, den die Juden in 25 Jahren errungen." Tatsächlich sind in Amerika und England (hauptsächlich London) große Geschäfte und Bankhäuser deutsch-jüdischer Einwanderer entstanden, von welchen einige in der Folgezeit Weltnamen errungen haben und noch bis heute durch den Namen das Herkunftsland der Begründer verraten. Ludwig Feuchtwanger: Franz Oppenheimers Werk i. Im Laufe eines reichen brausenden Lebens, nicht in einem stillen, der reinen Forschung hingegebenen Dasein, hat Franz Oppenheimer, der junge Siebzigjährige, neben praktischen Siedelungsversuchen eine erstaunlich reiche Publikationstätigkeit in der deutschen Nationalökonomie und Soziologie entfaltet. Er begann als Arzt und Journalist; erst 1909 — mit 45 Jahren — habilitierte er sich an der Berliner Universität Der Beruf des Arztes und freien Schriftstellers hat deutlich seine Spuren auch in dem wirtschafts- und gesellschaftswissenschaftlichen Gesamtwerk hinterlassen. Das rastlose Bohren nach „Gesetzen" und Regeln, die Systematik, dann aber auch die antithetische, sprudelnde und witzerfüllte Darstelhingsweise verraten den Naturwissenschaftler und den gewandten Schreiber für den Tag. Franz Oppenheimer ist eine ragende prächtige Gestalt des 19. Jahrhunderts, mit der ganzen Fortschrittsgläubigkeit, dem himmelstürmenden, ahnungslosen Optimismus dieses viel gelästerten Saeculums, mit der in seinen besten Vertretern sichtbaren, uns so wohltuenden nobeln Liberalität, unproblematischen Frische und Tapferkeit, die nicht immer ohne eine uns unbegreiflich gewordene (fälschlich oft als Eitelkeit ausgelegte) Unbeirrbarkeit, freilich ohne leisere Töne ihren Weg schreitet. Damit sind Größe und Grenzen dieses imponierenden Lebenswerkes angedeutet, das ohne die Persönlichkeit, die dahinter steht, Charme, Spannung, vielleicht sogar seine „Interessantheit" verliert; ob auch seine „Richtigkeit", kommt auf den reinen Er- 10