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Der Morgen · 1934-03-01 · Heft 9 (März 1934) · p. 520

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 9 (März 1934)
Article
Wirtschaftsschicksal und Lebenswille
Date
1934-03-01
Page
520 (sequence 5)
Language
German
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Ernst G. Löwenthal aber aus leitenden Stellungen entfernt. Die breite jüdische Angestelltenschicht hat vielleicht am meisten gelitten; dazu kommt, daß die Deutsche Arbeitsfront alle Nichtarier ausgeschlossen hat, so daß ihnen keine Standesvertretung mehr zur Verfügung steht. Die maßgebenden jüdischen Spitzeninstanzen sind seit langem eifrig bemüht, die Härten und Notstände gerade auf diesem Gebiet zu beseitigen oder zumindest zu mildern. Ist es schon für den Kaufmann, den ehemals selbständigen wie den angestellten, unter den gegenwärtigen Umständen mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, in einem benachbarten Wirtschaftszweig unterzukommen, so gilt das erst recht für.den Akademiker und den Beamten. Wieviele Möglichkeiten erwogen, wieviele Versuche unternommen werden, kann nur ermessen, wer die Not dieser großen Zahl von Betroffenen in täglicher Arbeit erfährt. Der Arzt, der, von der Kassentätigkeit ausgeschlossen, aus den Erträgnissen seiner Privatpraxis nicht existieren kann, als Krawattenvertreter, der frühere Rechtsanwalt, der einen Scifenhandel beginnt, der Schriftsteller als Wohliahrtsempfänger: Fälle, die nicht vereinzelt dastehen, sondern die Lage Tausender kennzeichnen. Mancher besitzt noch Fähigkeiten und Kraft genug, sich völlig umzustellen, ein Handwerk zu erlernen, mancher Geistesarbeiter besitzt den Mut und die Zuversicht, Landwirt zu werden, mit der Aussicht, als einfacher Landarbeiter sein Brot verdienen zu müssen. Das sind Einzelversuche, die zum Teil glücken. Doch die Zeit verlangt planmäßiges Arbeiten. Das soziale Abgleiten des deutschen Judentums hat allgemein eine solche Verschärfung erfahren, daß Proletarisierung und Arbeitslosigkeit ständig zunehmen. Die Not des aus der Bahn geworfenen Ernährers trifft naturgemäß ganze Familien; sie fallen der öffentlichen und meist auch der jüdischen Wohlfahrt anheim. Die jüdischen Gemeinden kämpfen um die Existenzerhaltung ihrer wirtschaftlich geschwächten Mitglieder und nicht zuletzt auch um die Aufrechterhaltung ihrer eigenen Organisation. Abwanderung in die Großstädte, die dem Bedürfnis n;'ch Berufsumschichtung aufs neue entgegenwirkt, und Auswanderung in fremde Länder hat viele jüdische kleinere Gemeinden erschüttert, einige fast schon vernichtet. Tausende deutscher Juden werden gegenwärtig vom allgemeinen, auch von jüdischer Seite geförderten Winterhilfswerk des deutschen Volkes unterstützt. Bedeutsamer aber als alle wohlfahrtspflegerischen Maßnahmen sind produktive Hilfe, Bemühungen um Existenzerhaltung und Existenzsicherung. Gewiß: einige 50000 Juden — die Zahl steht nicht genau fest — dürften ihre Heimat verlassen habcn4 um hauptsächlich im europäischen Ausland und in Palästina Lebensmöglichkeiten zu suchen. Bekanntlich ist aber die Aufnahmefähigst

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