Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 9 (März 1934)
- Article
- Das gute jüdische Herz
- Date
- 1934-03-01
- Page
- 516 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst G. Löwcnthal einen Ausgleich, eine Synthese, eine auch sittliche Vollendung. Bekowet ist, wer ethische Persönlichkeit ist. Endlich hat das Wort etwas von biedermeierlicher Behaglichkeit, der ebenfalls ein Gefühl innerer Würde zugrunde lag. Das sind, bei aller Kitschigkeit des Ausdrucks, den sie in jenen Liedern fanden, doch Züge einer Haltung, in der sich „das gute jüdische Herz" zeigte. Soll man heute rechten, soll man diese Haltung unjüdisch nennen, soll man anklagen? Und wen anklagen? Die Menschen? Sie werden auf die Zeit hinweisen. Die Zeit? Aber sie ist nichts ohne den Stempel, den ihr der Mensch aufdrückt. Die Entwicklung? Dann müßte man mit der Geschichte der Menschheit ins Gericht gehen, daß sie nicht anders sich verkettete. Das jüdische Sein der Vergangenheit war, wie alles Sein im Judentum Ernst G. Löwenthal: Wirtschaftsschicksal und Lebenswille Schicksal und Zukunft des deutschen Judentums erhalten durch die umwälzenden und umwertenden Ereignisse des Jahres 1933 eine entscheidende Wendung, eine neue Gestaltung. An Aktualität geht allem voran die Frage nach der wirtschaftlichen Existenz einer halben Million jüdischer Menschen auf deutschem Boden. Es handelt sich nicht mehr um ein Problem, das den einen oder anderen angeht, sondern um eine Tatsache, die jedes einzelne Mitglied der Gemeinschaft berührt. In der Nachkriegszeit waren die meisten Erörterungen über die wirtschaftliche Lage der Juden in Deutschland mit Betrachtungen über ihre soziale Schichtung und ihre berufliche Gliederung aufs engste verknüpft; denn in dieser vom gesamtdeutschen Durchschnitt erheblich abweichenden, geschichtlich begründeten und leicht erklärbaren Struktur der deutschen Juden sahen Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspraxis die Ursache mancher unheilvollen Entwicklung. In welchem Ausmaße diese Erkenntnis zutrifft, wird in nie geahnter Deutlichkeit gegenwärtig sichtbar. Die Ausschaltung aus der Wirtschaft hat die ältere wie die jüngere Generation vor Sorgen, Zweifel, Entscheidungen gestellt. Was wird aus den berufstätig gewesenen Menschen? Was wird aus denen, die vor oder in der Ausbildung stehen? Um einen Ausgangspunkt zu gewinnen, der zugleich den Schlußpunkt einer gewissen Epoche darstellt, schauen wir etwa ein Jahr zurück. Die moderne kapitalistische Wirtschaft erlebte 516