Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 9 (März 1934)
- Article
- Das gute jüdische Herz
- Date
- 1934-03-01
- Page
- 517 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wirtschaf Isschicksal und Lebenswille es ist, nicht einfach, nicht eindeutig, niemals so und nicht andere, sondern immer anders und trotzdem so. Es hatte — wenn man den feinen Unterschied gelten lassen will — nichts von der unerhörten, umfassenden Verantwortlichkeit des Seins als Jude, aber viel von giner erinnerungsschweren Jüdischkeit. Man fühlte sich nicht Jude, man fühlte sich jüdisch. Verwerflich und abzulehnen als „Assimilantentum"? Begrüßenswert und würdig weiterer Pflege als letztes Ziel? Verständlich als Station auf langem Weg? Wenn man unsere Zeit mit ihrer nahen Vergangenheit und nahen Zukunft in geschichtlicher Schau überblicken könnte, dürfte man werten. Dann aber wäre Wertung auch Einordnung, weil man nicht verwünschen kann und ausradieren, was der Griffel des Lebens in die ewigen Tafeln gegraben. in der Nachkriegszeit Krisen größten Stils. Zur allgemeinen Weltkrise kam eine besondere deutsche Krise, die in ihren Ursachen auf Krieg, Inflation und Deflation zurückzuführen ist. Mit dem oft gebrauchten Wort von der jüdischen Wirtschaftskrise ist ein weiterer Druck gemeint, der die deutschen Juden infolge ihrer besonders gearteten wirtschaftlichen Struktur noch zusätzlich traf. Die Auswertung der Berufszählung vom Jahre 1933 dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen; und ob dann wiederum eine Sonderauszählung der von der Statistik erfaßten Juden stattfindet, erscheint fraglich. Gegenwartsbetrachtungen müssen sich daher zwangsläufig, wenn auch außerordentlich kritisch, auf ältere Zahlen stützen, wie sie für 1925 Heinrich Silbergleit in seinem grundlegenden Werk über „Die Bevölkerungs-und Berufsverhältnisse der Juden im Deutschen Reich" ermittelt hat. Die soziale Schichtung der deutschen Juden ergab danach ungefähr folgendes Bild: von den hauptberuflich Erwerbstätigen galten als Selbständige über 42 v. H., als Angestellte (und Beamte) nahezu 27 v. H., als Arbeiter fast 8 v. H.; der Rest verteilte sich auf mithelfende Familienangehörige, Berufslose und diejenigen, die keine näheren Angaben gemacht hatten. Bei der Gesamtbevölkerung halten sich Selbständige und Angestellte (einschließlich der Beamten) ziemlich die Waage (jeweils um 15 v.H.), während allein die Arbeiter mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen ausmachen. Wie jede hat auch diese moderne Sozialstatistik, abgesehen von ihrer Überalterung, Fehlerquellen. Es ist psychologisch durchaus verständlich, daß sich beispielsweise mancher als selbständig bezeichnete, der bei näherer Prüfung seiner sozialen Lage überwiegend Merkmale des Angestelltentypus trägt (wie z. B. der Agent, Handwerker, Syndikus). Außer- 517