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Der Morgen · 1934-03-01 · Heft 9 (März 1934) · p. 507

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 9 (März 1934)
Article
Legende von den Juden
Date
1934-03-01
Page
507 (sequence 3)
Language
German
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Max Samter: Legende von den Juden haben die Juden schuld an allem, was geschehen ist, weil sie es geduldet haben — bin ich denn dann aber ein Jude?, so geschah jetzt etwas mit ihm, was neu war, weh tat und nicht mit einem Achselzucken abgemacht war. Es blieb etwas zurück, was man hinaufnehmen mußte unter die Bäume,, was nicht in einem Lachen unterging, und er mußte bisweilen an die Eltern denken. Das war lange nicht vorgekommen. Sie waren ihm nah, in ihrer Vergrämtheit, in der Stummheit ihres Schmerzes. Bisher waren sie ihm wie ferne fremde Wesen erschienen. Auf einmal waren sie ihm verwandt, ohne daß er wußte, wie diese Verwandlung zustande gekommen war. Er spürte Bindungen, die er abgestreift hatte. Es war schwer einzusehen, ob man sich ihnen überlassen mußte. Aber dies neue Bewußtsein hatte noch ein zweites im Gefolge, er verlor die Unbefangenheit gegenüber allem, was vorher war. Die Furcht aufzufallen, verführte ihn zu noch stärkerer Zurückhaltung. Aber die Zurückhaltung befreite ihn nicht. An manchen Abenden wurde dies so deutlich, daß es ihm selber nicht mehr verborgen blieb. So wurde hin und wieder von der Leitung des Lagers ein Abend freigegeben, an dem alle in den Dorfkrug gingen, sangen, tanzten; die Mädchen des Dorfes, zu denen sich doch schon zarte Bande von oben herunter spannen, kamen alle und auch die Männer kamen, in guter Kameradschaft und ohne daß bisher Mißtrauen und Eifersucht ernsthaft unter die Fröhlichen gefallen war. Denn die aus dem Lager meinten es nicht so ernst, sie hatten fast alle jemand zu Haus, der auf sie wartete, und hielten darauf, nicht in fremden Wäldern zu jagen. So blieb alles, was geknüpft wurde, locker und harmlos, auch wenn der Leiter des Lagers es nicht ausdrücklich gewünscht hätte. Diese Abende waren allen in guter Erinnerung. Der alte Garten, die hohen Buchen, die im Licht des Mondes schimmerten, machten sie bisweilen so still, daß, wenn die Kapelle ausruhte, die aus Klavier und Geige bestand, einer von ihnen beiseite ging und leise eins von ihren alten Landsknechtliedern spielte, auf der Harmonika oder auf der Trompete, wie jeder es vermochte: dann rückten wohl die Mädchen enger an die Jungen und hielten still beieinander, bis die Munterkeit des neuen Tanzes sie wieder durch den Garten jagte. Um Mitternacht stürmten sie winkend und wach hinauf ins Lager. An einem solchen Abend geschah es zum ersten Male, daß Herbert zurückblieb, daß er absichtlich langsamer als die anderen hinunterging, um seitlich abzubiegen und wieder zu seiner geliebten Höhe hinaufzusteigen. Das Herz war ihm schwer und war unten bei den Kameraden. Aber die Stimme, die ihm verbot, mit ihnen und mit den Mädchen zu sein, war stärker als jemals. Oben schlief er ein, den Blick über den Tälern, in denen er nun 507

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