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Der Morgen · 1934-03-01 · Heft 9 (März 1934) · p. 491

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 9 (März 1934)
Article
Zum Inhalt und Wesen des völkischen Staatsgedankens
Date
1934-03-01
Page
491 (sequence 4)
Language
German
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Zum Inhalt und Wesen des völkischen Staatsgedankens liehen Volksgeist verstanden wurde, hing die Volkszugehörigkeit ab vom Schicksal und vom Willen zugleich. Am gemeinsamen Volksgeist teilzuhaben war zwar zunächst Folge des Hineingeborenwerdens und des schicksalhaften Miterlebens, aber es war zugleich doch auch, wie alles geistige Leben, Sache der individuellen Hingabe, des Mitwirkens und des persönlichen Willens. Dies Moment der Freiwilligkeit entfiel bei denen, die nun die geistige Gemeinschaft des Volkes nicht als etwas eigenartig Gegebenes hinnahmen, sondern sie als bloße Folgeerscheinung der naturgegebenen, allem Willen entrückten Abstammungsgemeinschaft begriffen. Damit ist der Volksgeist nicht mehr lediglich objektiver Geist der durch ihn zusammengehaltenen Volksgemeinschaft, sondern er ist Ausdruck der Rassenseele; demgemäß gehört der Einzelne zum Volke nicht mehr durch das Zusammenwirken von Schicksal und Willen, vielmehr allein kraft seiner Geburt. Diese rassevölkische Auffassung grenzte folgerichtig das deutsche Volk nicht nur gegen diejenigen ab, die ihm nach Schicksal und Willen fremd waren, sondern auch gegen alle, die sich zwar selbst als Deutsche empfanden, aber von anderer Abstammung waren als die Mehrheit der Qeutschen. Das traf hauptsächlich die deutschen Juden und die von Juden Abstammenden; und gerade dies erschien als Bewährung der neuen rassevölkischen Auffassung gegenüber früheren Anschauungen vom Volke, die eine gleiche Abgrenzung und damit die Bekämpfung alles Jüdischen als schlechthin Volksfremden nicht nach sich zogen. Auf wissenschaftlichen Lehren fußend, nämlich naturwissenschaftliche Hypothesen und eine geisteswissenschaftliche Theorie eigenartig miteinander verbindend, ist der rassevölkische Gedanke selbst doch nicht bloß wissenschaftliche Lehre von allgemeinem Gehalt, die als solche rational begründbar und bekämpfbar wäre. Auf das deutsche Volk angewandt steigert er sich zum Mythus, verläßt damit bewußt den Boden rationaler Erörterung und wird zum Gegenstand gläubiger Hingabe. In dieser Steigerung des völkischen Gedankens, die im nationalsozialistischen Schrifttum ihren eigentlichen Ausdruck gefunden hat, erscheinen nicht nur die Völker als ausschließlich rassisch bedingte, voneinander streng geschiedene Gemeinschaften, sondern es wird die Gesamtheit der Rassen hierarchisch geordnet; dabei erscheint das deutsche Volk als Gemeinschaft der edelsten, ja schlechthin schöpferischen Rasse, im Gegensatz und im beständigen Kampf gegen eine unschöpferische, zersetzende Rasse, die man im Judentum verkörpert findet. 491

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