Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 8 (Februar 1934)
- Article
- Ein neuer Glaube? [Rezension]
- Date
- 1934-02-01
- Page
- 476 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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oder in den großen Führern zu neuen Zielen staatlichen Aufbaus." Für die „Deutsche Glaubensbewegung" fordert darum Hauer die Anerkennung durch den Staat und damit die Möglichkeit, dem deutschen Glauben auch in der religiösen Unterweisung der Schule einen Raum zu verschaffen. „Es sind drei Bereiche, die sich klar herausheben: die Katholische Kirche, die bekenntnisgebundene Protestantische Kirche und die Deutsche Glaubensbewegung. Sie sind die Kristallisationspunkte für das neue große Geschehen in der religiösen Geschichte unseres Volkes. Und •wir sind überzeugt, daß die Deutsche Glaubensbewegung den lebendigsten Kern hat." Der katholischen und protestantischen Kirche wird also ihr Sondergebiet belassen, es wird aber vorgeschlagen, eine „Religiöse Arbeitsgemeinschaft Deutscher Nation" zu bilden, die dazu dienen soll, „konkrete Fragen, die Volk und Staat angehen, einer deutschen Lösung zuzuführen und über den Versuch dieser Lösung zu wachen". „Diese gemeinsame Arbeit würde uns", das ist die Überzeugung Hauers, „über alle Schranken hinweg entdecken lassen, daß wir Deutsche sind und gläubige Menschen, die aus der einen ewigen Wirklichkeit leben". Die Ernsthaftigkeit der Hauerschen Bewegung spiegelt sich in dem Echo wider, das seine Bewegung bisher ausgelöst hat. Im Dezemberheft der „Europäischen Revue" sagt Karl Anton Prinz R o h a n u. a.: „Hinter diesen Aufgabenkreisen des Vordergrundes werden im Hintergrund der großen geistesgeschichtlichen und geistespolitischen Zusammenhänge neue Fragestellungen sichtbar, deren Entscheidung sich wohl Jahre, vielleicht Jahrzehnte lang hinziehen wird. Es sind das die großen weltanschaulichen Fragen: wird der totale Staat auf christlichem oder agnostischem Urgrund aufbauen, wird die nationale Bewegung zu neuen metaphysischen Urgründen vorstoßen, werden aus dem Mythos des Blutes neue Symbole emporwachsen? ... Im Protestantismus tobt ein wilder Kampf . . . Wenn aber darüber hinaus Kieler Studenten das Verbot eines Vortrages des Herausgebers des „Deutschen Volkstums", Wilhelm Stapel, mit der Begründung durchsetzen, die Behauptung Stapels, Deutschtum und Christentum seien vereinbare Begriüe, wäre für die Studentenschaft untragbar, so kann man, welches sachliche Gewicht man immer auch solchen Zwischenfällen beimißt, ersehen, wie tief die deutsche Seele auch in ihren letzten weltanschaulichen Wurzeln von der Revolution ergriffen ist." I ntcressant ist nun, wi e Wilhelm Stapel selbst, der Herausgeber des „Deutschen Volkstums", zu der neuen Bewegung unter der Überschrift „Dritte Konfession" Stellung nimmt (Nov. 1933). Er weist auf die Spannungen hin, die die Gründung einer neuen Konfession innerhalb des totalen Staates auslösen müssen. Im Programm der nationalsozialistischen Partei werde zwar von der „Partei als solchen" das positive Christentum vertreten. Andererseits sei von dem Stellvertreter des Führers ausdrücklich anerkannt worden, daß kein religiöser Gewissenszwang geübt werden dürfe, daß „der Glaube eines jeden eigenste Angelegenheit ist, die er 476