Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 8 (Februar 1934)
- Article
- Ein neuer Glaube? [Rezension]
- Date
- 1934-02-01
- Page
- 475 (sequence 1)
- Language
- German
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Presseschau: Ein neuer Glaube? Die von Professor J. W. Hauer, Tübingen, redigierte Zeitschrift „Kommende Gemeinde" wird, wie der Herausgeber im Dezemberheft mitteilt, in Zukunft unter dem Titel „Deutscher Glaube" erscheinen. Mit dieser Namensänderung ist, wie in der Vorbemerkung gesagt wird, gleichzeitig auch eine Programmänderung verbunden. Hatte die „Kommende Gemeinde" es sich bisher zur Aufgabe gesetzt, dem Gedanken einer durch alle Konfessionen hindurchgehenden religiösen Gemeinschaft zum Durchbruch zu verhelfen, so will die Zeitschrift im neuen Gewände sich die Betreuung der „Deutschen Glaubensbewegung" angelegen sein lassen. Diese Gemeinschaft ist wohl zu unterscheiden von der „Glaubensbewegung Deutscher Christen". Den „Deutschen Christen" wird zwar zugebilligt, daß sie es gewesen sind, die den Anstoß zu der gewaltigen religiösen Auseinandersetzung gegeben haben, die sich heute in Deutschland vollzieht. Die Gründung der „Deutschen Glaubensbewegung" war aber nach Hauers Meinung in dem Augenblick unerläßlich, als durch die neue Verfassung der protestantischen Kirche alle diejenigen gläubigen Deutschen sich ausgeschlossen fühlen mußten, die nicht mehr zum reformatorischen Bekenntnis rjid zum Alten und Neuen Testament als den alleinigen Richtlinien ihres Lebens und Glaubens stehen können. „Erst wenn dem christlichen Anspruch gegenüber, im Evangelium den allein gültigen Weg für alle zu besitzen, der Anspruch des deutschen Glaubens, der Weg des deutschen Menschen zum Heil zu sein, klar und zwingend in Wort und Gemeindegestaltung, in Kult und Feier herausgearbeitet ist, erst wenn zur christlichen These die germanisch-deutsche Antithese geschaffen ist, kann die Auseinandersetzung des deutschen Glaubens mit dem christlichen in diejenige Tiefe geführt werden, in der sich das Wesentliche der Gestalt Jesu und des deutschen Glaubens berühren zu schöpferischer Bewegung." Der Widerspruch beider Welten wird in der religiösen Auffassung vom Volk gesehen. „Für das bekenntnisgebundene kirchlichdogmatische Christentum, sei es nun katholischer oder protestantischer Prägung, ist das Volk immer die von Gott abgefallene, der Verdammnis anheimgegebene irdische Wirklichkeit, also immer der arme Sünder, der bußfertig unter dem Kreuz zusammenbrechen muß, ehe ihn Gott begnadigen kann. Anders kann und darf dieses Christentum die Volkswirklichkeit nicht ansehen. Gerade aber hier setzt sich das, was in der nationalsozialistischen Bewegung als tiefster Wille aus dem Volke und zum Volke lebendig ist, mit einem entschiedenen Widerspruch entgegen. Wer in dieser Bewegung einigermaßen in die Tiefe gräbt, der entdeckt dort einen Glauben an die Göttlichkeit des Volkswillens, ein Vertrauen in den religiösen Urwillen des deutschen Volkes, aus dem ... Gott selbst sich kundtut, sei es nun in den großen Kündern und Gestaltern deutschen Wesens und Lebens 475