Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 8 (Februar 1934)
- Article
- Ein neuer Glaube? [Rezension]
- Date
- 1934-02-01
- Page
- 477 (sequence 3)
- Language
- German
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nur vor seinem Gewissen zu verantworten hat". Damit sei <iie Möglichkeit zur Gründung einer Dritten Konfession gegeben. Stapel entscheidet sich für die Anerkennung der dritten Konfession durch den Staat „einfach deshalb, weil ich Männern vom Range des Grafen Rcventlow eine religiöse Heimat wünsche. Ich halte seine religiösen Anschauungen für widerlegbar, aber die Empfindungen, aus denen sie stammen, achte ich." In seiner religiösen Jahresübersicht „Kirchliche Lehren des Jahres 1933" im Januarheft der „Christlichen Welt" kommt Professor Hermann Mulert-Kiel zu folgender Beurteilung der „Deutschen Glaubensbewegung": „Seit der Jahrhundertwende gab es in Deutschland zahlreiche Austritte zu den Konfessionslosen. Ihre Zahl war zuletzt so gewachsen, daß man emstlich fragen konnte, ob das großenteils nur noch äußerlich zu den Kirchen haltende rote Drittel unseres Volkes sich nicht mehr und mehr auch äußerlich von den Kirchen lösen werde. Aber nun hat sich die politische Lage sehr geändert; es gibt keine sozialistischen und kommunistischen Verbände mehr in Deutschland, auch keine Gottlosenpropaganda mehr. Andererseits haben sich die meisten der Gruppen, die völkische, germanische, arische Religion so vertreten, daß sie das Christentum ablehnen, zusammengeschlossen zur Arbeitsgemeinschaft deutscher Glaubensbewegung (ADG); hier wird Gewissensfreiheit gefordert, und es hat sich ihnen auch ein Teil der bisherigen Freireligiösen angeschlossen. Nicht wenige angesehene Nationalsozialisten stehen hier oder haben sich doch in verwandtem Sinne ausgesprochen: Reventlow, Schirach, Rosenberg. Daß auch dieser Kreis in sich keineswegs einheitlich ist, wird sich zeigen; aber sofern hier doch ein positives Programm da ist oder gesucht wird, kann diese dritte Konfession mit den vorhandenen Kirchen in viel ernsteren Wettbewerb treten als es völlig Konfessionslose vermögen ... Nachdem Hauer und seine ADG so viel Anhänger haben, wie jetzt der Fall ist, rechnet man mit ausdrücklicher staatlicher Anerkennung dieser dritten Konfession. Dann wird ihre Auseinandersetzung mit den christlichen Kirchen lebhafter werden." * Zwei Gedenktage An diesem 1. Februar wäre Hugo von Hofmannsthal sechzig Jahre alt geworden. Schon jetzt, kaum vier Jahre nach seinem Tode, ist er für uns in jene Ferne gerückt, in der die Dichter zeitlos nahe erscheinen. Den Ruhm des Dichters zwar haben die Lebenden am willigsten dem jungen Hofmannsthal gegönnt: „wäre er mit 20 Jahren gestorben, er wäre die schönste Gestalt der Weltliteratur", hat der nun auch dahingegangene Hermann Bahr einmal geäußert. Die venezianische Pracht seiner Versspiele „Tod des Tizian" und „Der Tor und der Tod", die klangvoll gedämpfte Trauer seiner Lyrik stellte den Frühreifen als Führer einer neuen Kunst an die Seite des jungen Stefan George. Dann aber trat er eher zurück; das Wiener Rokoko, dessen katholischem Geist er sich so tief verbunden fühlte wie seinem jüdischen 477