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Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 466

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Mein Berufswunsch und die Wirklichkeit
Date
1934-02-01
Page
466 (sequence 2)
Language
German
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Schulaufsätze heit, die nicht nur in dieser Richtung aus den Aufsätzen spricht, läßt immer wieder die ganze Last der Verantwortung spüren, unter der heute jede Beratung und Beeinflussung steht. Den Anfang mache eine Arbeit, in der sich dem kindlichen Wunsch, Kapitän zu werden, übergangslos ein konkreter Plan gegenüberstellt: Als idi nocli 5 Jahre alt war, war mein seligster Wunsch, Kapitän zu werden, du ich Freude daran hatte, auf einem Schiff zu leben. Aber nicht bloß das Leben und Treiben gefiel mir, sondern ich wollte hinaus in die schöne Welt,' um sie zu sehen und in ihr Abenteuer zu erleben. Ich dachte, rvie schön müßte es doch sein, irenn man auf einem Ozeandampfer die Wcltenmeere durchfallet und die. Well kennen lernt. Doch die Wirklichkeit ist anders. Die Zeiten haben sieh geändert, icli bin grüßer geworden und habe andere Gedanken bekommen . . . Da man zum Aufbau eines I^andcs Handwerker braucht, habe, ich meinen Berufswunsch geändert und mich entschlossen, Tischler zu werden. Ich habe, diesen Beruf gewählt, da icfi erstens die Lust dazu habe und zweitens, da Tischler ein sehr guter Beruf ist, der in Palästina sehr gebraucht und gesucht wird. Nun aber kommt die Frage: „Werde ich eine Stelle bekommen, werde ich alles, was ich denke, ausführen können?" Diese Frage kann mir, glaube ich, keiner beantworten, denn keiner, ob er Astronom oder Gelehrter oder sonst noch was ist, kann die Zukunft voraussehen. Besonders interessant sind naturgemäß die Wandlungen von dem früher gewünschten intellektuellen zu dem neuen handwerklichen Beruf: Ich wollte einen intellektuellen Beruf ergreifen. Aber die Zeil, hat sich bedeutend geändert, und ich habe mich auch geändert. Nicht,".'nur äußerlich, sondern auch innerlich. Das letzte Jahr war ein ereignisreiches Jahr. Ich bin durch die Ereignisse des letzten Jahres recht wachgerüttelt worden. Ich habe erkannt, daß es nicht richtig 'ist, sieh vollkommen von den produktiven Berufen fernzuhalten. Es rvar bei uns Juden immer so, daß wir am meisten in den intellektuellen Berufen drinslanden. Aus diesem Grund will ich einen produktiven Beruf ergreifen. Mein Wunsch ist jetzt, Elektrotechniker zu werden. Ich habe großes Interesse für diesen Beruf. Die Technik war schon immer das, womit ich mich am meisten beschäftigt habe. Was durch die Lage der Zeit so sein muß, ist jetzt zu meinem stärksten Wunscli geworden. Nicht immer geht der Wechsel des Berufszieles ohne Erschütterung vor sich. In dem folgenden Aufsatz klingt die Enttäuschung noch nach: . . . Nun entschloß ich mich, Lehrer zu studieren. Ich besuchte die Sexta, Quinta, Quarta und Untertertia des Neustädler Realgymnasiums. Ich war auch, wie ich denke, für diesen Beruf geeignet. Nun aber traf mich bzw. meine Ellern ein großer Schlag. Das Schicksal wollte es, daß es durch die politischen Verhältnisse für mich unmöglich wurde, meinem sehnenswerten Berufe nachzugehen. Meine Eltern gerieten in eine wirtscliaflliche Notlage. Wir waren gezwungen, nach 466

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