Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 8 (Februar 1934)
- Article
- Mein Berufswunsch und die Wirklichkeit
- Date
- 1934-02-01
- Page
- 465 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Schüler schreiben Klassenaufsatz: „Mein Berufswunsch und die Wirklidikeit" Die Fragen der Berufswahl und Berufsumschichtung stehen im Mittelpunkt der Hilfs- und Aufbauarbeiten für das deutsche Judentum. Von einer großen Anzahl mehr oder minder berufener Fachleute werden fortgesetzt Möglichkeiten ersonnen, geprüft und neu geschaffen, die dazu dienen sollen, junge jüdische Menschen in eine geordnete und nach menschlichem Ermessen aussichtsreiche Berufsentwicklung hineinzuführen. Die gegen jede frühere Epoche grundlegend veränderte Situation, vor die diese Arbeit heute gestellt ist, wird durch zwei brennende und noch keineswegs gelöste Aufgaben gekennzeichnet: durch die fast völlige Umwälzung der bisherigen Schichtung, die die intellektuellen Berufe stark bevorzugte, in handarbeitende Berufe, und durch die Schwierigkeit der Berufsplanung, die in der Unsicherheit fast sämtlicher Berufsaussichten begründet ist. Eine selbständige und freiwillige Berufswahl wird deshalb fast unmöglich: den Heranwachsenden ist inmitten der übermächtigen Kräfte, die ihren Lebensweg bestimmen, nur ein geringer Raum der Selbstbestimmung geblieben. Angesichts dieser Sachlage ist es überaus aufschlußreich, einmal die Objekte eines solchen Geschehens, die die Schule verlassenden Jugendlichen selbst über ihre Pläne sprechen zu hören. Wie stehen diese jüdischen Jungens dem Zwang zur Handarbeit gegenüber? In welche Richtung der beschränkten Möglichkeiten gehen ihre Wünsche? Stößt man hie und da auf ein Empfinden von der besonderen Tragik ihrer Generation, die aus noch relativ unbegrenzten Berufsträumen langsam in eine enge, vorgeschriebene und oft gewaltsame Bahn hineingezwungen wurde? Wir lassen (mit allen Unbeholfenheiten) eine kleine Auslese aus Klassenaufsätzen folgen, die in einer jüdischen Volksschule des Berliner Zentrums kurz vor dem Abschluß der Schulzeit geschrieben wurden. Es handelt sich um durchschnittlich Vierzehnjährige von kleinbürgerlicher, teilweise ostjüdischer Herkunft, die — was eine Verallgemeinerung des Bildes nicht ohne weiteres erlaubt — fast durchweg unter dem Einfluß zionistisch-bündischer Erziehung stehen. Das Ziel der Berufswünsche ist deshalb auch meist Palästina — „kein Ideal, weil es selbstverständlich ist", sagt einer der Schreiber. Die Bestimmtes