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Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 462

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Legende von den Juden
Date
1934-02-01
Page
462 (sequence 7)
Language
German
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Max Samter hatte, der Mann nickte ihm freundlich zu und ging hinaus. Dann wurde die Tür zweimal verschlossen. Der nächste Morgen gestaltete sich unfreundlicher. Gegen zehn, die helle Morgensonne schien seit vielen Stunden durch das vergitterte Fenster, wurde die Tür geöffnet, Herbert herausgeführt und es begann eine Vernehmung, die der Gemeindevorsteher leitete. Die Milde des vergangenen Abends schien ausgelöscht. Hart und rasch prasselten die Fragen auf Herbert nieder, der kaum Zeit hatte, sich für Wahrheit oder Lüge zu entscheiden. Denn noch wußte er nicht, wohin all dies führen konnte, als ihn plötzlich eine Bemerkung des Gemeindevorstehers weckte, die nun alles in eine bestimmte Richtung jagte: „Wissen Sie, wohin Sie gehören?", wandte er sich an Herbert, „ins Arbeitslager, junger Freund!" Ein wunderbarer Gedanke, dachte Herbert, er widersprach nicht, und seine Bereitwilligkeit, dem Vorschlag des. Gemeindevorstehers zu folgen, machte diesen weich und nachgiebig, so daß das weitere Verhör eher einer Unterhaltung glich. Herbert wußte, daß es Schwierigkeiten wegen der Papiere geben konnte, er hatte seinen Paß bei sich, mochte aber nicht, daß sie bei seinen Eltern anfragten, und entschloß sich, die Wahrheit zu sagen: er hätte von seinen Eltern nach bestandenem Examen Geld bekommen, um zu wandern, und sei nun seit geraumer Zeit unterwegs. Er wäre überzeugt, daß er seinen Eltern eine große Freude machen würde, wenn er statt des ziellosen Wanderns eine Zeit im Arbeitslager verbrächte. Dies alles klang glaubwürdig genug, man fragte nicht weiter, er erhielt einen Ausweis, der seine Aufnahme in ein nahe gelegenes Arbeitslager empfahl. Ja, man würdigte ihn des Vertrauens, ihn ohne Begleitung dorthin fahren zu lassen, da er die angebotene Fahrkarte ablehnte: er habe selbst noch etwas Geld und wolle deshalb ruhig auf eigene Kosten fahren. Er gab beiden die Hand und ging hinaus. Draußen war helle Sonne. Er ging, den Berg herunter, auf dem das Wachhaus lag. Als er sich umwandte, sah er, daß beide Männer in der Tür standen. Als sein Blick sie traf, hoben sie beide grüßend den rechten Arm. Daß er Jude war, hatte er ihnen verschwiegen. Im übrigen hielt er Wort. Er meldete sich bei der Leitung des Lagers, zeigte den gestempelten Ausweis vor, mußte einige Fragen beantworten, wobei Paß und Ausweis ihm zustatten kamen, da es sich nur um äußerliche Dinge, Habseligkeiten, Gesundheitszustand und Ähnliches handelte, und erhielt dann ein Lager und einen Schrank zugewiesen, in dem Kleider, Bücher und andere Kleinigkeiten untergebracht wurden, das Geld wurde von der Leitung des Lagers in Verwahrung genommen. Er bekam einen Arbeitsanzug aus praktischem grauem Wollstoff und sah sich in der Gegend um, der Nachmittag war von der Leitung 462

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