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Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 454

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Kämpfe Mosis
Date
1934-02-01
Page
454 (sequence 4)
Language
German
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Siegfried Ucko: Kämpfe Mosis erlei ersehnt Mosche, der Herr der Weisen: Gottes Wege will er erkennen und dann noch Gott selbst schauen. Da er bis zu der zweiten Frage sich vorgewagt hat, wird ihm als Antwort darauf die volle Beantwortung der ersten zuteil. Gottes Wesen wird nur in Gottes Wegen erkannt. Wie aber geschieht das? Gott spricht: „Ich werde alle meine Güte vor dir vorüberziehen lassen." In wundervoller Weise deutet Maimonides dieses Wort, indem er es mit einem Worte der Schöpfungsgeschichte verbindet. „Was nun den Ausdruck ,alle meine Güte' anbelangt, so deutet Gott damit an, daß er ihm sämtliche vorhandenen Dinge anschaulich machen will, von welchen ja gesagt ist: ,Und Gott sah alles, was er gemacht, und siehe! es war sehr gut'/' Gott also gibt dem Mosche die Welt zur Antwort. Gottes Wirken i n der Welt zu sehen, ist Wesenserkenntnis Gottes. Mosche befindet sich in der Not des Führers; Gott, als Helfer angerufen, offenbart sich ihm in den ethischen Eigenschaften. Der Abglanz Gottes wird also sichtbar: „Da steigt Gott nieder im Gewölk, stellte sich neben ihn und rief den Namen aus, es zog der Ewige vorüber an seinem Angesicht und rief: Der Ewige, Gott, erbarmend, gnadend, langmütig, reich an Treue und Wahrheit . . In der Fülle von Werten offenbart sich jeweils Gott. Wenn Mosche nach Gott fragt, um die Aufgabe des Volksführers erfüllen zu können, eröffnen sich ihm die Eigenschaften, die — nach Maimonides — die Erhaltung und Regierung der Welt betreffen. Als das Eigene und Allgemeine bleibt, daß in der Welt Gott ergriffen wird. Gott reicht als Emanation seines Wesens dem Mosche die Werte dar, die der suchende Blick immer und immer wieder im Leben entdecken kann. Die Tatsache der Einzigkeit und Unvergleichlichkeit Gottes bleibt freilich gewahrt. Der Weg zu einer Möglichkeit der Gottesschau ist hier gezeigt. Es ist charakteristisch, daß die Offenbarung hier an dieser Grundstelle des ethischen Monotheismus in einer Wertfülle geschieht, in einer Mannigfaltigkeit von Werten, die ergriffen und verwirklicht werden können, zusammengehalten durch die Tatsache, daß sie Attribute des Einen sind. Die Lebenskraft des Judentums ist hierin mitbedingt. Das wird an der Konfronticrung mit der christlichen Heilsoffenbarung noch klarer. In dem einen, herabgestiegenen Gottessohn offenbart sich dort Gott. Nach einem bezeichnenden Worte Pascals kann ohne Jesus die Welt nicht bestehen, denn sie müßte dann entweder zerstört sein oder einer Hölle gleichen. Nur in dem einen Personalpunkte — oder, wenn man die katholischen Heiligen hinzunimmt, in den einzelnen Personalpunkten — offenbart sich der Urwert. So hat man auch mit Recht hervorgehoben, daß es eigentlich nur eine christliche Haupttugend gibt: die Reinheit. Jesus ist das Nachzuahmende; Jesu Tod verhilft zum Urständ der Reinheit 454

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