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Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Geheimnisvolle Welt
Date
1934-02-01
Page
448 (sequence 6)
Language
German
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Josef Kastcin Sinn und Ziel seiner Reisen und Berichte lassen sich nur mutmaßen, wenn man nicht gläubig annehmen will, was er selber darüber sagt. Er hat von seiner Heimat und von Orten, an die das Schicksal ihn verschlagen hat, Nachrichten zu bringen, die er den Juden in der Oaluth nicht vorenthalten darf; denn er weiß, welchen Trost er ihnen damit bringt. Aber das ist offensichtlich eine verspätete Motivierung. Selbst wenn man von seinem Lebensbericht die Umhüllung der Fabel abstreift, bleibt erkenntlich, daß ein Zufall ihn in Bewegung gesetzt hat und daß in ihm, dem bisher in isolierter Gegend Hausenden, die Berührung mit der übrigen jüdischen Welt das Dichterische zur Explosion gebracht hat. Es ist ein rechtes Sindbad-Abenteuer, mit dem er seine Fahrt einleitet. Er ist mit einem anderen Manne, der aus dem Stamme Ascher kommt, auf das Meer gefahren, um den Schiffsleuten Waren zu verkaufen und dafür Schmuck und Kleidung einzutauschen. Er hat also offenbar den eigenartigen und unternehmungslustigen Beruf eines Schiffhändlers ausgeübt. Auf einer dieser Reisen erhebt sich um Mitternacht ein schwerer Sturm. Das Schiff birst. Er und sein Begleiter werden ins Meer geschleudert. Es gelingt ihnen beiden, eine Planke des geborstenen Schiffes zu packen. Sie klammern sich daran und treiben der Küste zu. Dort wohnt ein Volk, das Romarnus heißt. Sie nehmen die beiden gefangen. Es sind große, nackte Neger, in Aussehen und Gebärden wie Tiere. Zudem sind sie Menschenfresser. Eldads Begleiter, einen runden und gesunden . Mann, schlachten sie sofort und verzehren ihn. Eldad selbst, der von der Seefahrt arg mitgenommen war, scheint ihnen noch zu hager und unergibig. Sie fesseln ihn, stecken ihn in einen Verschlag und versuchen, ihn durch reichliche Nahrung zu mästen. Aber er rührt nichts von den Speisen an, sei es, um hager und ungenießbar zu bleiben, oder — wie er selbst einmal andeutet — weil diese Speisen doch nicht rituell bereitet und folglich für ihn verboten waren. Aber das Schicksal greift vorher ein. Eines Nachts brechen Feinde über die schwarzen Menschenfresser herein, töten viele, rauben Hab und Gut und machen zahlreiche Gefangene. Unter ihnen ist auch Eldad. Diese neuen Herren sind Feueranbeter. An jedem Morgen zünden sie ein großes Feuer an und werfen sich davor nieder. Auch kommen sie von Zeit zu Zeit auf einer großen Ebene zusammen, wo Feste mit sexuellen Ausschweifungen und unter weitgehender Promiskuität gefeiert werden. Vier Jahre lebt Eldad bei ihnen. Dann bringen sie ihn in ein Land, das er Aziz oder auch Azania nennt. Es ist ein entlegenes Land, und er kann den Ort nicht genauer angeben. Jedenfalls wartet hier die Erlösung auf ihn. Die Feueranbeter verkaufen 448

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