Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 447

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Geheimnisvolle Welt
Date
1934-02-01
Page
447 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895515-2895524-2903567--06835-2903611
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Geheimnisvolle Welt Wasser führte. Hier bot sich aus dem ehrwürdigen Alter der Ueberlieferung, aus der Ferne des Ortes und aus dem Rhythmus, in dem der Fluß sich gegen alle Gesetze der Natur bewegte, ein Anknüpfungspunkt für das Geheimnis. Hinter diesen geheimnisvollen Fluß Sambatjon verlegte also der Volksglaube den Wohnsitz der Zehn Stämme. Um 880 erscheint nun plötzlich bei den nordafrikanischen und den spanischen Judengemeinden der Mann, dessen Berichte den ganzen Komplex von Fragen und Vermutungen ordnen und aufklären und der den Juden für Jahrhunderte ein neues Weltbild vermittelt. Es ist Eldad aus dem Stamme Dan. Er ist in jener Gegend beheimatet, wo der Sambatjon strömt: weit jenseits der Flüsse von Aethiopien. In korrekter Aussprache heißt es „Sanbatjon", denn in der Aussprache der Juden jenes Landes sagt man Sanbat und nicht Sabbat. Der Strom führt kein Wasser. Felsen und Sand brausen unheimlich geschwind durch sein Bett, mit ungeheurem Toben und Tosen. In der Stille der Nacht hört man dieses Lärmen viele Meilen weit. Aber am Sabbat ruht der Fluß. Es ist unmöglich, ihn zu überschreiten. An den Werktagen würden die Felsen jeden zerschmettern, der den Versuch wagte; und zur Zeit, da er ruht, vom Anfang des Sabbats bis zu seinem Ausgang, steht eine große Feuersäule vor den Ufern, und niemand kann sich dieser Glut auch nur auf eine Meile nähern. Eldad faßt Geschichte und Sage zusammen, vereinigt Gehörtes und zuweilen kaum Verstandenes mit eigenem Wissen und eigener Dichtung, und kann mit diesem neuen Bilde in der zeitgenössischen Welt und noch Jahrhunderte später fast unbezweifelt dastehen. Woher er kam, ist nie mit Bestimmtheit ergründet worden. Seine Sprache hat mit der, die damals in Babylonien und Palästina gesprochen wurde, nur geringe Ähnlichkeit. Sie verweist ihn vielmehr in abgelegene Gebiete, in die das spätere Hebräisch nicht gedrungen ist. Sein Hebräisch ist durchsetzt mit Worten, die unbekannt sind. Mißtrauische Hörer haben sich solche Worte notiert und ihn dann nach einiger Zeit von neuem nach ihrer Bedeutung gefragt. Aber Eldad bestand die Probe jedesmal. Auch des Arabischen war er kundig. Sprache, Mitteilungen über Sitten seines Volkes und Lebensbericht machen es wahrscheinlich, daß er aus Nordostafrika, aus dem Gebiet um den Golf von Eden kam. Von dorther gelangte er, ohne daß man die Abfolge seiner Wanderungen kontrollieren kann, nach Babylonien, Ägypten, Nordafrika, insbesondere der Berberci, in die Städte Kairuwan und Tahort, und endlich, nachdem er sich durch Sendschreiben angekündigt hat, nach Spanien (883). Dort verliert sich seine Spur. Er soll in der Stadt Cordova gestorben sein. 447

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.