Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 446

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Geheimnisvolle Welt
Date
1934-02-01
Page
446 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895515-2895524-2903567--06834-2903610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Josef Kasicin Schon in der Bibelübersetzung, die man dem Pseudo-Jonatan zuschreibt, wird angemerkt, daß die Zehn Stämme jenseits eines Flusses namens Sabbation verbannt wären. Damit ist offenbar ein Fluß in Medien gemeint, und diese Vorstellung ist auch vielfach in das jüdische Schrifttum eingegangen. Maimonides hat ihn näher bestimmen wollen und ihn mit dem Flusse Gezan identifiziert, der in Adiabene fließt. Diesen Fluß kennt auch Benjamin von Tudela als Wohnsitz der Stämme, und er weiß ferner von ihm, daß der Pseudomessias David Alroy ihn auf einem Mantel fliegend überquert hat. Hinzu treten nun Mitteilungen über einen Fluß, der in Syrien fließt und dessen Name wohl Aehnlichkeit mit dem Worte Sabbat gehabt hat. In seiner Nähe befand sich noch im 15. Jahrhundert eine Ortschaft, die Schabaton hieß. Heute nennen die Araber diesen Fluß Fauvar Ad Der. Es wurde von ihm die Sonderheit ausgesagt, daß er nur sechs Tage in der Woche fließe. Auch Flavius Joscphus kennt ihn. Er läßt Titus, als er von der Zerstörung Jerusalems zurückkam, in der Nähe von Beirut einen Fluß überschreiten, der nur einen Tag in der Woche fließt, und nach diesem jeweils siebenten Tage, da er Wasser führt, benannt sei. Der älteste Plinius greift in seiner Naturgeschichte auf die erste Variante zurück. Zugleich vermehrt er sie um ein mystisches Element: der Fluß führt nur an den sechs Werktagen Wasser. Am siebenten Tage, dem Sabbath der Juden, ruht er. In einer Disputation zwischen dem römischen Statthalter Tinejus Rufus und dem jüdischen Gelehrten Rabbti Akiba über Sinn und Motiv der Sabbathruhe beruft Akiba sich zur Beweisführung geradezu auf diesen Fluß. In dem Augenblick nun, in dem dieser Fluß mit den Zehn Stämmen in Verbindung gebracht wird, mußte er natürlich seinen Ort verlegen. Denn es ist zu verstehen, daß Berichte aus solcher Nähe zu den jüdischen Zentren der Galuth vielleicht noch diejenigen befriedigen konnten, die sehr weit entfernt wohnten und denen eine Nachprüfung nie möglich war. Aber im übrigen war diese Nähe dem Glauben und der Legende schädlich. Und so wandert der Fluß in unbestimmtere Ferne. Aus der nachweisbaren und nachprüfbaren Nähe wird er in das Unbekannte gerückt Die Gefahr, die in der Fixierung liegt, ist aufgehoben. Die Welt wird wieder groß und geheimnisvoll. Die Möglichkeiten, den Sambatjon zu suchen, werden jetzt genau so groß, wie die mangelhafte Kenntnis der Welt es zuläßt. Man sucht ihn in Mesopotamien, in Indien, in Ostafrika, in China, in der Nähe des Kaspischen Meeres. Aber einen Ort gab es, der bevorzugt war, weil er schon vor Jahrhunderten aus anderem Sagenkreise her angedeutet war. Als Alexander der Große nach Südägypten kam, stieß er, wie die Legende weiß, auf einen Strom, der abwechselnd drei Tage Sand und drei Tage 446

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.