Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 8 (Februar 1934)
- Article
- Die Reichsvertretung der deutschen Juden
- Date
- 1934-02-01
- Page
- 438 (sequence 2)
- Language
- German
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Otto Hirsch Die Aufgabe, der sich die Regierung mit tiefem Ernst und sichtbarem Erfolg widmet, den deutschen Individualisten zum Dienst an der Gemeinschaft zu führen, gilt erst recht für die deutschen Juden, die sich in der Emanzipation nicht nur drückender Fesseln, sondern auch wertvoller Bindungen entledigt hatten. Der eigentliche Ort praktischer Gemeinschaftsarbeit aber ist für den Juden die Gemeinde. Ihre Erhaltung, ja ihr Ausbau ist deshalb nicht nur vom religiösen, sondern auch vom staatlichen Standpunkt aus von der größten Bedeutung. Dazu ist aber Vorbedingung, daß nicht über die Gesetzgebung des letzten Jahres hinaus und entgegen vielfachen Willensäußerungen maßgebender Stellen den Juden immer wieder die wirtschaftliche Betätigung als Arbeitnehmer und Arbeitgeber erschwert, in manchen Reichstcilcn und Wirtschaftszweigen geradezu unmöglich gemacht wird. Die bisherige, durch die geschichtliche Entwicklung mitbedingte Berufsschichtung der deutschen Juden, ihr Überwiegen in den geistigen Berufen und in den Großstädten war ungesund. Die deutsche Judenheit ist mit allem Nachdruck bemüht und ihre Jugend ist bereit zur Änderung dieses Zustands, zum Übergang auf körperliche Arbeit. Soll sie Erfolg haben, soll ihrer Jugend überhaupt noch eine Zukunftshoffnung, die Hoffnung auf Arbeit bleiben, so muß ihr in angemessener Weise Ausbildung und Eingliederung in Arbeiterschaft, Handwerk, Land- und Forstwirtschaft ermöglicht werden. Gleichwohl wird eine Anzahl deutscher Juden keinen Lebensraum mehr in Deutschland finden und auswandern müssen. Daß diese Auswanderung planmäßig vorbereitet und geregelt werde, ist ein Erfordernis ebenso des deutschen wie des jüdischen Ansehens, und die Unterstützung der Arbeit der hierzu berufenen Organisationen für die Auswanderung nach Palästina und anderen Ländern durch die Reichsregierung ist in höchstem Maße erwünscht. Stärker als wirtschaftliche Not bedrückt die deutschen Juden eine andere Last: der leider so oft wiederholte Vorwurf der Minderwertigkeit ihrer Gemeinschaft, ihrer Herkunft, ihres Glaubens. Der Aufbau des neuen deutschen Staates auf rassisch-völkischer Grundlage mag die Betonung der And ersartigk ei t der Juden gegenüber ihrer Umwelt zur notwendigen Folge haben, ihre Minderbewertung, ja ihre Entwertung kann keine Ge- 438