Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 8 (Februar 1934)
- Article
- Die Reichsvertretung der deutschen Juden
- Date
- 1934-02-01
- Page
- 439 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Rcichsvertretung der deutschen Juden meinschaft von Ehre und Selbstachtung ohne Widerspruch hinnehmen. Die deutschen Juden vertrauen darauf, daß der neue deutsche Staat, der selbst so viel Sinn für Ehre und Würde hat, auch ihrer kleinen Gemeinschaft dieses elementare Gefühl zuerkennt und ihre Diffamierung nicht länger duldet. Wir selbst aber werden unsere Ehre und Würde dann am besten wahren, wenn wir nach dem geschichtlichen Sinn dieser Zeit fragen und wenn wir ihn darin finden, daß sie uns nötigt, uns auf uns selbst, auf die Werte unseres Judentums zu besinnen, und wenn wir in uns die Kraft entwickeln, von innen heraus unserer Not Herr zu werden. In diesen Wünschen und ihrer Begründung weiß sich die Reichsvertretung eins mit allen deutschen Juden, welcher Richtung oder Gruppe sie im einzelnen angehören mögen, wie ja auch ihre Verlautbarung nach ihrer Gründung, ihr Aufruf zur Unterstützung der Außenpolitik der Reichsregierung bei der Abstimmung vom 12. November und die von ihr herausgegebenen Richtlinien für jüdische Schulen allgemeine Zustimmung gefunden haben. Alle diese Akte zeigen besser als theoretische Darlegungen, wie die Reichsvertretung ihre Aufgabe auffaßt. Indem sie dem Augenblick dient, sorgt sie für die Zukunft, vor allem der Jugend, deren Erziehung ihr besonders am Herzen liegt und für die sie mit dem Reiehsausschuß der jüdischen Jugendverbände eng zusammenarbeitet. Die Auswanderung betrachtet sie als einen in gewissem Umfang notwendigen und wichtigen Ausweg, aber nicht als den Weg. Ihr Ziel ist kräftiges und würdiges jüdisches Leben auf deutschem Boden innerhalb des deutschen Staates. Sie will — und sie kann nur — Gesamtvertretung der deutschen Juden sein. Ideologische Auseinandersetzungen sind nicht ihre Sache. Nicht die Unterschiede innerhalb der deutschen Judenheit gilt es für sie zu betonen, sondern ihre Einheit. Die verdienstvollen jüdischen Organisationen mit ihren Verschiedenheiten nach Gesinnung und Zweckbestimmung sollen bestehen bleiben, aber sie sollen sich einordnen in die Reichsvertretung zur gemeinschaftlichen Arbeit, in der jede ihren Platz findet. Die Führung hat die Reichsvertretung. Sie fordert Vertrauen, sie verlangt Solidarität Dr. Otto Hirsch. 439