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Der Morgen · 1934-01-01 · Heft 7 (Januar 1934) · p. 426

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 7 (Januar 1934)
Article
Gläubige Romantik [Rezension]
Date
1934-01-01
Page
426 (sequence 2)
Language
German
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Über die Einordnung der Wissenschaft in das neue Staatsgefüge spricht unter Zugrundelegung des rasscnhiologischen Standpunktes im Novemberheft der „Völkischen Kultur'4 Staatsminister Dr. W. Hartn a c k e , Dresden, in einem Aufsatz „Die Wissenschaft im neuen Staat": „Was fordert und fördert der neue Staat als Wissenschaftsbetrieb und was lehnt er ab? Wo liegt für ihn die Scheidung des echten und des falschen Geistes? Wir haben den Ganzheitsstaat, der ein Organismus ist wie ein lebender Körper, in dem und an dem nichts geschehen kann, was nur an einem Punkte wirkt, nichts, was ohne Wirkung auf seine Gesamtverfassung bliebe. Die Wissenschaft ist in die Ganzheit unseres Seins einbezogen, und sie darf sich an keiner Stelle mit dem Wohl des Ganzheitsstaates stoßen oder gar feindlich berühren. Wissenschaft, die sich mit den Interessen des Ganzheitsstaates feindlich berührt, ist als staatsfeindlich abzulehnen. Aber es geht deshalb doch nicht an, bloß wegen solcher Möglichkeit der Wissenschaft als solcher mißtrauisch und feindlich zu begegnen und sie von vornherein auf einen tieferen Rang in der Ordnung der Lebensgüter zu verweisen, wie das hier und da versucht worden sein mag. Wir dürfen und wollen Wissen, Geist und Verstand nicht verachten. Nicht jeder Geist ist „wider die Seele". Erkenntnis- und Forschungstrieb, Gcisteshetätigung und Wissensbefriedigung ist Urbedürfnis des menschlichen Seins; und wenn Kunstwollen und Kunstpflege immer wieder als lebenswichtig betont werden, wenn ihre Förderung immer wieder gefordert wird, nun dann: Forschung und Lehre sind nicht minder berechtigte und nicht minder* urnotwendige Äußerungen menschlichen Seins. Sie gehören zur Erfüllung menschlichen Seins und Wesens wie Kunst und Religion. Was als echte Wissenschaft bejaht werden will, muß zunächst einmal erwachsen aus dem inneren Bedürfnis des Menschen. Nur wenn das Wissen im Grunde des menschlichen Seins verankert ist, wird es zu einem Stück des eigenen Seins, zu einem Wesensteil. Aber selbst diese innere Verwachsenhcit mit der Persönlichkeit ist noch nicht genug, denn solch ein Wissen kann auch Eigenbrötlerkram, kann Marotte und Spleen sein. Solcher Art Wissensbetrieb mit seinen Einrichtungen zu dienen, hat der neue Staat weder Neigung noch Pflicht. Das Wissen, das er zu pflegen und zu fördern sucht, muß der Erhöhung und Veredlung des inneren Seins dienen, es muß letztlich irgendwie bezogen sein auf Volk und Staat und Volk und Staat dienen. Solche Wissenserkenntnis zu pflegen ist selbstverständlich Pflicht des Staates. Und der Raum für solche Wissenschaftspflege ist unermeßlich und niemals abzuschreiten. . . ♦ Der Dichter Hans Friedrich B l u n c k führt in einem Artikel „Deutsche Kulturpolitik" desselben Heftes dieGeisteswcnde, die heute in Deutschland erlebt wird, auf die Romantik der Jugendbewegung zurück: „Wie die liberalistischc Periode Abklang der Aufklärungszeit des IS. Jahrhunderts war, so beruht die Umwälzung, in der wir heute stehen, auf den Formen und auf 426

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