Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 7 (Januar 1934)
- Article
- Gläubige Romantik [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- 427 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Drängen der frühen deutschen Romantik und ihrer Erneuerung durch die Jugendbewegung, die um die Jahrhundertwende begann, sich im Weltkrieg erhöhte und in der Gegenwart vollenden will. Die Leugnung der Liebe war es vielleicht, die um die Jahrhundertwende die Jungen zum Aufruhr trieb. Während die alte Welt noch die doppeldeutigen Gebärden westlicher Demokratie — im Vertrag von Versailles erfüllt und erstorben — vergötzte, oder die in Rußland übersteigerte Glückseligkeit des Maschinenmäßigen bewunderte, schuf ein junges Geschlecht einen älteren Glauben neu, der sich, an eigene Urzeiten anknüpfend, aus dem Land und seiner Berufung gebar. Die Jugendbewegung ist es, die sich heute erfüllt — wenn es eines Beweises bedarf, so liegt er darin, daß aus der Bildungsschicht eigentlich nur sie, die das Volk und seine Geschichte schon aus jener rätselhaften neuen Geistigkeit erlebt hatten, die Gegenwart recht begreifen, und daß die anderen, die einmal mit Vernunft und Gebildetheit regiert haben, dem Sturm zunächst gegenüberstanden, jenem rätselhaften Aufruhr, der schwankend zwischen Leben, Liebe und Tod, Haß und Selbstbehauptung auf der Suche nach Einheit und Gerechtigkeit aus unserem Volke aufwehte. Ein junger Volkstumsbegriff, in den unteren Gründen der Seele erlebt, wandelt die Aufgaben der Kulturpolitik von Grund auf. Die neue Zeit wurde ein Ruf, ein Sich-offenbaren des vermeintlich Unwirklichen. Nach einem neuen Glauben hat das Volk die Aufgabe, sich zu bewähren, sich dem Schicksal zu stellen, sich zu bereiten und durch seine schöpferischen Leistungen zu rechtfertigen. Daher ist ihm der Staat nur notwendiger äußerer Rahmen der Einheit, daher fordern wir die Möglichkeit des Aufstiegs aller Glieder durch den gleichmäßigen, volkhaftcn Aufbau der Kultur, der nicht etwa einer humanistisch gebildeten Schicht Vorrechte zuweist. Daher meinen wir, daß der Mensch für sich selbst lebe nur soweit er sich vor Gott zu verantworten hat. Sein Wirken über sein Ich hinaus gehört seiner Nation. . . Eugen Fuchs zum 10. Todestag Am 22. Dezember 1933 jährte sich zum 10. Mal der Todestag von Eugen Fuchs. Bleibt, aus dem Geschehen unserer Tage gesehen, seine Erscheinung lebendige Gestalt, wesentlich und richtunggebend? Eugen Fuchs' Leben war Kampf für das gleiche Recht der deutschen Juden im deutschen Staat. Er erhob Anspruch darauf aus dem groß und klar, leuchtend und wesenstief in ihm ruhenden Wissen um sein Deutschtum, sein Werden und Wachsen aus deutscher Landschaft, deutscher Sprache, deutschem Geist, deutschem Schicksal. Aus der Kraft und Fülle seines Wesens trug und lebte er den Adel seines Judentums. Als eines aus Jahrtausenden überkommenen Erbes war er seiner gewiß und wußte um die Pflicht, es zu bewahren und zu erneuern. Deutschtum und Judentum — diese Synthese, an deren begrifflicher Deutung sich so viele versucht 427