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Der Morgen · 1934-01-01 · Heft 7 (Januar 1934) · p. 410

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 7 (Januar 1934)
Article
Der jüdische Sinn des deutschen Judentums
Date
1934-01-01
Page
410 (sequence 4)
Language
German
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Max Grüncwald So hat das Ringen um die Erhaltung des deutschen Judentums nicht nur einen humanitären, sondern einen jüdischen Sinn. Daß diese Aufgabe gerade dem deutschen Judentum zufiel, hängt mit dem Mittecharakter Deutschlands zusammen, das — gleich Palästina im Altertum — zwischen Westen und Osten, zwischen den irdischen Ideen der westlichen Großstädte und den seligen Verheißungen der östlichen Steppe seinen eigenen Weg lcidvoll sucht Die Mission des deutschen Judentums ist dies: die jüdische Existenz sagbar zu machen, nicht durch Entwurzelung in die Welt des westlichen Geistes überzugehen, sondern als fest verwurzeltes Judentum in der Helle des westlichen Geistes zu stehen. Wir haben uns und andern zu sagen, was wir sind und erhalten dadurch die Möglichkeit, als Juden — in richtiger Distanz und in richtiger Anteilnahme — in der Welt des Abendlandes zu leben. Auch Palästina gehört heute zum Abendland. Ignaz Maybaum. Autorität i. Im liberalen Denken, in dem von ihm angestrebten Weltbild liegt etwas von einer Vorwegnahme, die über die Gräben der Geschichte springt und im echten Widerstreit zum konservativen Denken optimistische Rechnungen aufmacht, die der Zeit vorauseilen. Wir verdanken ihr große Errungenschaften und große Enttäuschungen. Wie die großen Antizipationen, die Aufklärung etwa, ist der Liberalismus geneigt, das zu überspringen, was der Ratio widersteht. Die Widerstände, die aus Volk, Blut und Rasse stammen — der Liberalismus weiß mit diesem dunklen Hausrat der Geschichte nichts Rechtes anzufangen; sie werden von ihm nicht pädagogisch bewältigt, nicht politisch bezwungen, sondern eben übersprungen. Er hätte — historisch gesehen — das Recht dazu, wenn er die Macht hätte. In der Macht- und Autoritätsfrage enthüllt sich die eigentliche Fragwürdigkeit des Liberalismus. Seine Machtfremdheit schreibt sich nicht allein her von der zunehmenden Schwäche seines Trägers, des Bürgertums. Sie ist ihm mitgegeben und schon in der protestantischen Revolution, vor allem in der Lehre von Autorität und Gewissensfreiheit, geschichtlich verankert. Es hat, besonders in den Zeiten seiner Dekadenz, den Anschein, daß der Liberalismus nicht Macht hat, sondern daß er sie geliehen hat; geliehen von jenen zuständlichen Gewalten — Staat und Gesellschaft —die sich seiner als Ideologie bedienen und ihn nur allzuoft in seiner Entwicklung behindern, gerade dadurch, daß sie 410

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