Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1933)
- Article
- Aufbruch der Jugend
- Date
- 1933-12-01
- Page
- 358 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Georg Lubinski zur nationalsozialistischen Bewegung, die zum wesentlichen Teil von jungen Menschen geführt wird, es sich innerhalb der jüdischen Bewegung um Auswirkungen von außen handelt, bei denen der jungen Generation bisher lediglich Aufgaben zufallen, bei denen aber keine bewußte Übernahme der Führung stattfand. Dies geschah zwar oft genug, weil die bisherigen „Führer" entweder nicht mehr da waren oder sich nicht mehr zurechtfanden. Eine bewußte Ablösung der älteren Generation durch die jüngere, ein Kampf um die Führung im eigentlichen Sinne hat jedoch kaum stattgefunden. Dabei ist der Gang der Entwicklung verschieden in den sogenannten „parlamentarischen" Körperschaften der Gemeinden und Gemeindeverbände einerseits und in den politischen und sozialen Organisationen andererseits. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die parlamentarischen Körperschaften viel stärker beharrend sind als die genannten Organisationen. Die parlamentarischen Körperschaften ergänzen sich nicht auf Grund des gegenwärtigen Kräfteverhältnisses, sondern lediglich auf Grund des Hinzutretens der schon ursprünglich bestimmten Männer und Stellvertreter, die generationsmäßig und ihrer Haltung nach sich nicht von den bisherigen Vertretern unterscheiden. In den großen Organisationen dagegen, bei denen das Nachrücken oder die Stellvertretung nicht ein für allemal für einen bestimmten Zeitraum im voraus geregelt ist, unabhängig davon, was inzwischen geschehen ist, findet eine Ergänzung auf Grund der Leistung und der Aktivität der jungen Generation statt. Die auf diese Weise zur Arbeit kommenden jungen Menschen ge« hörten zum erheblichen Teil der Jugendbewegung an. Das ist natürlich, wenn man bedenkt, daß Menschen, die bereits in ihrer Jugend sich in eine Gemeinschaft eingefügt haben, auch später für die Aufgaben größerer Gemeinschaftsinteressen geeignet sind. Läßt sich bei diesen Vertretern, die aus der Jugendbewegung kommend zur „Macht" gelangen, ein Unterschied gegenüber den bisherigen Repräsentanten feststellen? Die Frage ist nicht einheitlich zu beantworten. Im großen und ganzen kann aber gesagt werden, daß diese Menschen ihre Entscheidungen und ihre Tätigkeit stärker im Gefühl einer Gesamtverantwortung ausüben als dies bei den Vertretern der älteren Generation der Fall war. Es erweist sich, daß die aktive Zugehörigkeit zur Jugendbewegung eine ganze Reihe von gemeinsamen Überzeugungen und Anschauungen geschaffen hat, die für den einzelnen Repräsentanten der jungen Generation auch dann noch verbindlich sind, wenn er den Zusammenhang mit seiner Jugendbewegungsgruppe gelöst hat. Aus alledem ist zu ersehen, daß die Jugendbewegung bei diesen Menschen wirksam ist, insofern sie sich überhaupt mit den Gegenständen des jüdischen Lebens beschäftigen. Darüber hinaus unterwirft sie sie einer mehr formalen als inhaltlichen 358