Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1933)
- Article
- Aufbruch der Jugend
- Date
- 1933-12-01
- Page
- 357 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufbruch der Jugend Jugendbünden bestanden. Das wirkt sich selbstverständlich auch auf die Berufsfrage der jungen Generation aus. Konnte man i'rüher zwischen Studenten- und Schülerbünden einerseits und Lehrlingsbünden andererseits unterscheiden, so vollzieht sich heute s\ül, aber ungeheuer umwälzend, die Verwandlung der zweckfrv ien Schülerbünde in beruflich gerichtete Gemeinschaftsgruppen, deien wichtigstes Beispiel die Chaluzbewegung darstellt. In der gesellschaftlichen Zielsetzung gab es schon immer zwischen beiden Gruppen viele Übereinstimmungen: der Schüler- und Studentenbund war getragen von der gesellschaftlich „freischwebenden Schicht", die zwar vom Bürgertum herkam, aber entschlossen war, es zu überwinden. Es ist kein Zufall, daß mit dem Zusammenbruch der meisten Berufsziele für die Schüler- und Studentenbünde die Angehörigen dieser Bünde mit großer Selbstverständlichkeit sich das Berufsziel der Umschichtung zu eigen machen. Dabei soll nicht übersehen werden, daß nicht etwa nur äußere Ursachen zu diesem Berufswechsel drängen, sondern daß gerade der auch schon früher vorhandene Wille zur gesellschaftlichen Erneuerung im „Chaluz"ideal seinen stärksten Ausdruck findet. Es soll dabei nicht verkannt werden, daß unter dem Druck der Ereignisse das jüdische Leben auch in den. Gruppen mit gesellschaftlich beharrender Tandenz sich verstärkt. Wenn das Hebräische auch für manche nur eine Fremdsprache mehr ist, die die Aussichten der Auswanderung erhöhen soll, so ist es für viele doch auch der Weg zu einem größeren Verständnis des eigenen Schicksals. Der tiefe Mangel der jüdischen Gesellschaft in Deutschland besteht darin, daß sie nicht genügend Führer hat, die auf diesem Wege neue Inhalte vermitteln können. In mittleren und kleineren Städten hängt jede Intensivierung des jüdischen Lebens davon ab, daß Menschen vorhanden sind, die jüdisches Wissen besitzen und es weiterleiten können. Oft genug fehlen solche Menschen gänzlich. Gerade die Tatsache, daß im gegenn-ärtigen Augenblick sich eine tiefe Umwälzung des gesamten gesellschaftlichen Lebens in Deutschland vollzieht, rechtfertigt es, die Frage aufzuwerten, inwieweit die Jugendbewegung in dieser Situation zur Führung gelangt. Da es sich um eine Umwandlung handelt, die von außen veranlaßt ist und die nicht das Ergebnis eines inneren Wandlungsprozesses der Juden darstellt, ist es klar, daß der Anteil der jüdischen Jugendbewegung an diesen Ereignissen nur gering ist. Es findet lediglich ein teilweiser Übergang der Führung von der älteren auf die jüngere Generation statt und darunter auch auf Menschen, die aus der Jugendbewegung hervorgegangen sind. Man muß sich immer vor Augen halten» daß im Gegensatz 357