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Der Morgen · 1933-12-01 · Heft 6 (Dezember 1933) · p. 359

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 6 (Dezember 1933)
Article
Aufbruch der Jugend
Date
1933-12-01
Page
359 (sequence 7)
Language
German
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Aufbruch der Jugend Gesamtverantwortung, der gegenüber der Einzelne eher zur Rechenschaft bereit ist als innerhalb der älteren Generation, und bestimmt schließlich in gewissem Maße die Form des politischen Kampfes. Die Formen der Jugendbewegung dagegen werden kaum übernommen und nicht in das Leben der Erwachsenen herübergerettet. Die Einwirkung der Jugendbewegung auf die Familie ist häufig dargestellt worden. Wir können uns mit der Feststellung der Tatsache begnügen, daß die jüdische Jugendbewegung eine der drei legitimen Erziehungsmächte neben der Familie und der Schule ist. Die Feststellung dieser Tatsache schließt nicht aus, daß zwischen ihnen eine ständige Auseinandersetzung, ein ständiges Ringen um die Vorherrschaft in der Seele des jungen Menschen stattfindet. Die Erfolgsaussichten der Jugendbewegung in diesem Ringen sind deshalb so groß, weil sie als die Repräsentantin des eigenen Lebenswillens gegenüber Schule und Familie vom Jugendlichen empfunden wird. Es bedeutet keine Abschwächung des Problems, wenn hinzugefügt wird, daß mit der fortschreitenden Anerkennung der Jugendbewegung der Kampf an Erbitterung und an Schärfe verloren hat und daß oft genug die Anerkennung der Jugendbewegung durch die ältere Generation so restlos ist, daß sie selbst ihren kämpferischen Elan verliert. Die berufliche Umwälzung innerhalb der jüdischen Jugend ist im Augenblick noch so stark im Gange, daß sich nicht einmal annähernd Feststellungen über die neue Schichtung der Jugend werden machen lassen. Alle gesellschaftlichen Formen, auch die Form der Jugendbewegung, werden gesprengt durch die starke Auswanderungsbewegung, die einen großen Teil der Jugend ergriffen hat. Die Voraussagen über das Schicksal der jüdischen Jugend in Deutschland müssen deshalb unbestimmt sein, weil gerade jetzt der Eindruck vorherrscht, daß ein großer Teil der jungen Generation Deutschland verlassen und in anderen Ländern der Welt ein neues Leben beginnen muß. Diese Erscheinung wird das Gesicht der jüdischen Gesellschaft aufs tiefste verändern. Es besteht die Gefahr, daß die Überalterung der deutschen Judenheit die stärkere Besetzung der höheren Altersklassen gegenüber den jüngeren sich außerordentlich verstärkt, daß der Zusammenhang der Generationen in Deutschland unterbrochen wird, daß die ältere Generation zurückbleibt und die junge außerhalb Deutschlands zu leben versucht. Den vorstehenden Bemerkungen würde dann nur die Bedeutung einer abschließenden Beobachtung zukommen, nach der ein vollkommen anderes Bild des jüdischen Jugendlebens sich zu formen beginnt 359

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